Sehenden Auges

Kuratieren heißt: auswählen. Aber wer profitiert, wenn das Theater den Kuratoren unterstellt wird? Gibt es mehr Neuentdeckungen oder mehr Einheitsbrei?

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Sie trinken ihren Latte im Café «Eisenbergs» mit Blick auf die Sophiensäle. «Kuratoren arbeiten mit Leib und Seele», erklärt die eine Frau, jung, mit Sonnenbrille, in der sich der heiße Sonntagnachmittag spiegelt. Die zweite nickt und schreibt das Gesagte in ihr Notizheft. Und ich denke am Tisch daneben – mit Leib und Seele arbeiten, mit Haut und Haar dabei, wie Künstlerinnen und Künstler eben. Ist doch schön für sie, für die Kuratoren.

Und für uns, das Publikum? Ist es nicht schön, dass Kulturmanager Kopf und Kragen riskieren, um uns die eine, nämlich ihre Sicht auf die Kunst näherzubringen? Müssen wir uns nicht glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, da Kuratorinnen und Kuratoren für uns aus der Unmenge des Produzierten herauspicken, was für uns zu sehen wichtig ist? 

Alle werden kuratiert

Und wie sieht es aus für die Künstlerinnen und Künstler? Ist es nicht schön, dass jemand ihre Kunst in einen «kuratorische[n] Gesamtkontext» setzt, «der über die künstlerischen Produktionen hinaus Wissen produziert», wie Anne-Cathrin Lessel und Hannah Pfurtscheller in ihrem Papier «Ein Dasein zwischen Künstler*[in] und Kurator*[in]? – Residenz- und Produktionsformate als ...

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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Ideen, Seite 58
von Lilo Weber

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