Schwanensee

Düsseldorfs Ballettchef debütiert als Erzähler und greift dafür ausgerechnet nach dem Herzstück des klassischen Repertoires. Kann das gutgehen? Und was lässt sich mit dem Museumsstück überhaupt noch anfangen?

Tanz - Logo

Ein Mann, eine Frau, zwei Augenzeugen. Sie observieren aus einiger Entfernung, wie sich das Liebespaar dem Rausch der Sinne ergibt. Dabei wahren die Beobachter auch Distanz zueinander, gehören sie doch verfeindeten Parteien an. Sie ist der schwarzen Magie kundig und sinnt seit Jahr und Tag darauf, das verliebte Mädchen – die eigene Stieftochter – ins Verderben zu stürzen. Er ist der Großvater des jungen Dings und zugleich dessen Beschützer. Bislang hat er verhindern können, dass die Stiefmutter ihren mörderischen Plan durchzieht. Gegen das, was kommt, ist er nicht gewappnet.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Martin Schläpfer verkündete: «Schwanensee» in Vorbereitung! Dabei hatte sich der Künstlerische Direktor und Chefchoreograf des Ballett am Rhein über viele Jahre hinweg eine Art Abstinenz auferlegt: bloß keine fertigen Geschichten erzählen! Er war sich auch gar nicht sicher, ob die Welt noch ein «Dornröschen», noch eine «Giselle» oder gar einen «Schwanensee» (tanz 6/18) braucht. Nach Besichtigung dessen, was der Schweizer aus seinem Klassiker-Debüt herausgeholt hat, kann es daran nicht den allergeringsten Zweifel geben. Martin Schläpfers «Schwanensee» ist eine Offenbarung. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Köln: Richard Siegal «On Body»

Richard Siegal ist bipolar, und zwar «bipolar begabt». Er liebt und kann als Choreograf einfach beides. Kann großes klassisches Ballettensemble und kleine freie Szene. Kann Bayerisches Staatsballett und The Bakery, die von ihm einst gegründete experimentierfreudige Plattform für interdisziplinäre Kunst. Seit anderthalb Jahren hat er nun eine eigene Kompanie, das...

Montpellier on tour: Marlene Monteiro Freitas «Canine Jaunâtre 3»

Auf seiner jahrelangen Suche nach Perfektion und gesteigerter Selbstwahrnehmung hat sich Ohad Naharin, der Künstlerische Leiter der Bat-sheva Dance Company, redlich Mühe gegeben, seine Gaga-Technik als vollgültige Bewegungsdisziplin zu etablieren. Nun hat er sich auf einen Seitensprung eingelassen – mit Marlene Monteiro Freitas, die er eingeladen hat, ein...

Sprungtuch für junge Tänzer

Die beste Tanzausbildung sichert noch lange keine Anstellung. Aus dieser Erkenntnis heraus gründete Malou Fenaroli Leclerc vor fast 20 Jahren eine Juniorkompanie, unabhängig von den Institutionen. Das «Performance Year», wie sie das damals nannte, sollte jungen Absolventinnen und Absolventen von Tanzausbildungsstätten ein Jahr lang ein Dach über dem Kopf, Training,...