Rebecca Horner in John Neumeiers «Sacre», Foto: Ashley Taylor
Rebecca Horner
Glück, Zufall oder endlich die richtige Erkenntnis: Seit Ballettdirektor Manuel Legris Rebecca Horner nach ihrer fulminanten Interpretation von Potiphars Weib in «Josephs Legende» und «Le Sacre», beide von John Neumeier, am Wiener Staatsballett 2017 zur Solotänzerin ernannte, scheint der Weg geebnet für eine außergewöhnliche Karriere. Denn Rebecca Horner ist auf der Bühne eine Wucht, unberechenbar, plastisch und in Bestform, wenn sie ihre Ideen von den Aufgabenstellungen mit Kraft und Fantasie und künstlerischer Finesse ausspielen kann.
Dann ist es plötzlich fast egal, ob die 28-jährige Wienerin den Spanischen Tanz in Nurejews «Schwanensee» explodieren lässt. Oder, und das mit noch viel mehr Freude, Partien tanzt in Kyliáns «Bella Figura», wozu sie anmerkt: «Schönheit des nackten Körpers, nichts ist zu verstecken». Auch die Essenz anderer Partien weiß Rebecca Horner zusammenzufassen. So ihre Rolle in Stephan Thoss’ «Blaubart»: «einen starken Charakter mit zeitgenössischen Mitteln formen»; in Alexander Ekmans «Cacti»: «sehr sportlich und mit viel Witz». Dazu kommt noch, was ihr Mann, der Choreograf Andrey Kaydanovskyi, entwirft, zuletzt etwa «Feuervogel», über den die Tänzerin sagt: «ungemeine Horizonterweiterung, wahnsinnig viel gelernt».
Überhaupt sieht Rebecca Horner ihre Arbeit rundum positiv: «Ich habe das große Glück, schon viele Kreationen erlebt zu haben und deswegen am Formen einer Rolle von Beginn an beteiligt gewesen zu sein. Ich mag es roh, also echt, keinen Fake. Ob das die große Liebe ist oder etwas Brutales. Ich sehe Gestaltung als Herausforderung, die Authentizität braucht. Dann werde ich – ich selbst als leidenschaftliches Publikum – berührt und zum Lachen und Weinen und Nachdenken gebracht.» Im Herbst steht erstmals die Rolle der Myrtha in «Giselle» bevor. Aber auch Charaktere wie Katharina in der «Widerspenstigen Zähmung» von John Cranko, eine Carmen oder schlicht Neues mit spannendem Gesicht kann sie sich vorstellen. Elementar, emotional, konkret in aussagekräftiger Bewegung, gibt Rebecca Horner Anlass zu schönster Hoffnung.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 177
von Andrea Amort
1. Aufführung des Jahres / Production of the Year
2. Choreograf/in des Jahres / Choreographer of the Year
3. Tänzerin des Jahres / Female Dancer of the Year
4. Tänzer des Jahres / Male Dancer of the Year
5. Kompanie des Jahres / Company of the Year
6. Erfreulich war ... / Positive development
7. Ärgerlich war ... / Negative development
Andrea Amort, Wien, freie Autorin
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