«Real-Lies – cosìfantutte» von Cocoondance
Mit verbundenen Augen sieht man besser. Weil der Mensch seinen (Unter)-Bauch deutlicher hört. Das darf in Liebesdingen heikel werden. Der falsche Gespiele kann durchaus der rechte sein, so das Auge nicht den Verstand aktiviert. Mozart überschrieb seine Oper gewordene, bittere Lebenseinsicht über die weibliche Untreue «Così fan tutte» – so machen es alle. Die freie Bonner Kompanie Cocoondance ließ sich von Amadeus inspirieren.
Der Philosoph Don Alfonso wettet originallibrettogetreu mit den Offizieren Ferrando und Guglielmo, dass er ihren Geliebten Dorabella und Fiordiligi den Treuebruch nachweisen kann. Die beiden Paare mutieren zu Versuchskaninchen, zeitweise mit Augenbinden, die der eiskalte Don Alfonso neu paart. Wenn Fiordiligi sich so auch von einem Esel betören lässt, ist man im Bonner Theater im Ballsaal bei Shakespeare ausgekommen. Thematisch sind sich Rafaële Giovanola (Choreografie/Regie) und Rainald Endraß (Konzept/Dramaturgie) treu geblieben. Erotik, Identität, Fremd- und Einssein verhandelten sie bereits in ihrem Erfolgsstück «Lovers and Other Strangers». «Real-Lies – cosìfantutte» ist ebenfalls kein Handlungsballett, sondern szenisches Nachdenken über Wahrhaftigkeit. ...
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