Olaf Schmidt «Gefährliche Liebschaften»
Wenn Menschen wie Schachfiguren auf einem Spielfeld herumgeschoben werden, dann ist das nicht die originellste Metapher für Manipulation. Aber sie funktioniert, und mit ein paar Bewegungen sind Persönlichkeiten entworfen, wenn Olaf Schmidt zum Einstieg in seine Ballettversion von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Gefährliche Liebschaften» ein Spielbrett aufbaut. Merteuil und Valmont arrangieren da also ihre nackten Mitmenschen, stiften Nähe beim einen Paar, trennen das andere und freuen sich daran, was so passiert.
Aber Vorsicht: Die Figuren mögen nackt und verletzlich sein, ausschließlich passiv sind sie nicht. Zwischen Bauern (und Bäuerinnen) findet sich von Zeit zu Zeit auch ein Springer, und aus dem Tableau vivant löst sich dann tänzerisch ein Sprung, hübsch beiläufig, aber ein Hinweis darauf, dass das böse Spiel womöglich nicht nur im Interesse der beiden Hauptprotagonist*innen liegt.
Solch feine Details sorgen dafür, dass Schmidts «Gefährliche Liebschaften» am Theater Lüneburg einen eigenen Ton haben, auch wenn die Narration verhältnismäßig nah an der Vorlage bleibt. Merteuil und Valmont vertreiben sich ihren Ennui damit, andere ins Liebesunglück zu stürzen, am Ende ist ...
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Tanz März 2025
Rubrik: Kalender, Seite 35
von Falk Schreiber
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tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
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