Münster: Hans Henning Paar/Daniel Soulié «True Romance»
In Münster steht Romantik auf dem Programm. Doch obwohl sich Tanzchef Hans Henning Paar und sein Co-Choreograf Daniel Soulié mit dem Komponisten Frédéric Chopin und dem Maler Caspar David Friedrich für zwei extrem starke Impulsgeber entschieden haben, schwelgt «True Romance» keinesfalls im beschaulich Gestrigen. Vielmehr gleicht der Tanzabend einem Wechselbad der Gefühle und setzt durch musikalische Kon-trapunkte bis hin zur Rocklegende Patti Smith durchaus heutige
Akzente.
Der Beginn zitiert Friedrichs Gemälde «Der Mönch am Meer»: eine Tänzerin, Nebelschwaden und wolkenverhangener Himmel, dazu Chopins «Nocturnes». Doch das einsame Düsteridyll verschwindet, kaleidoskop-artig wechseln die Bilder, die Emotionen und auch die Bewegungssprache der elf Tänzerinnen und Tänzer.
Liebespaare und Selbstverliebte, Einsame und nach Zuwendung Suchende, Träumer und Zyniker wandern über die Bühne. Konsequent setzt die Choreografie auf Kontraste, reiht Szenen zwischen Albernheit und Rührung, Kitsch und ironischer Distanz hintereinander. Die «Generation Selbstdarsteller» posiert – mit Kopfhörerstöpseln im Ohr – ausdauernd und bleibt emotional unverbindlich. Testosterongeschwängerte Machos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2018
Rubrik: Kritik 7/18, Seite 44
von Kirsten Pötzke
Das Ballett der Semperoper setzt mit dem neuen Abend auf ein leicht verändertes Konzept, insofern weniger die Chronologie der gezeigten Stücke als eine dramaturgische Steigerung für «100°C» ausschlaggebend ist.
Justin Pecks «Heatscape» (2015) ist eine beachtliche Arbeit, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Choreograf gerade mal 30 Jahre alt ist. Die...
Balanchine, Scholz, Montero, Goecke: Was bei jeder großen Ballettkompanie ein gehaltvoller, anspruchsvoller Abend wäre, das zaubert die John Cranko Schule mit einem lockeren Lächeln auf die Bühne. Die Aufführungen der Stuttgarter Ballettakademie unterscheiden sich nicht mehr von Theaterprogrammen; mit all den Uraufführungen, die für sie kreiert wurden, nimmt die...
Gayle Tufts, eine Amerikanerin kommt nach West-Berlin, an die Tanzfabrik, wir schreiben das Jahr 1988, zehn Jahre nach der Gründung des Tanzkollektivs. Wie war das damals?
Damals war die meiste Arbeit schon getan. Die Möckernstraße 68 war renoviert, die ersten Liebesaffären hatten alle hinter sich gebracht. Liebe war ein sehr wichtiger Aspekt der Tanzfabrik, es...
