münster: Hans Henning Paar: «Lulu»
Wenn Lulu Dr. Schön, den Mann ihres Lebens, an sich binden will, streift sie ihren Slip ab. Der Redakteur zieht ihn ihr empört wieder hoch. Sie lässt ihn wieder runter. Bis das Weib seinen Willen bekommt: Schöns Braut verzieht sich, er heiratet Lulu. Für den Münsteraner Tanztheaterchef Hans Henning Paar ist Lulus Höschen choreografisches Spielzeug. Wenn es sich wie ein Gummiband zwischen den Knöcheln spannt, lässt sich damit tänzerisch arbeiten. Als Requisit wird es gefährlich: Lulus Liebhaber erhängt sich damit, und Dr. Schön wird seine untreue Ehefrau damit knebeln.
Für seine Version von Frank Wedekinds «Lulu – eine Monstretragödie» greift Paar zu überdeutlicher Symbolik. Auch der abgelutschte Apfel als Prophezeiung des Sündenfalls geistert durch das Stück. Tiefpunkt sind großformatige Fotos im Atelier des Malers Schwarz – Lulus Liebhaber und späterer Ehemann – mit unbekleideten, weiblichen Geschlechtsmerkmalen, pseudo-schamhaft mit einer Hand verdeckt.
Ist das flach. Und so schade. Denn Hans Henning Paar wollte der Lulu-Figur auf den Grund gehen und in die tieferen Schichten ihrer Gefühlswelt eindringen, wie es einst Peter Zadeks legendärer Inszenierung mit der ebenso legendären ...
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Tanz November 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Bettina Trouwborst
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