Mülheim an der Ruhr: Cocoondance «Vis Motrix»
Was für sinistre Kreaturen! Man möchte lieber gar nicht wissen, was passieren wird, wenn sie es schließlich aus ihrer merkwürdigen Rückenlage in die aufrechte Haltung schaffen, wenn sie die Königsposition des Menschseins erobern – ein Moment, den Cocoondance in seiner aktuellen Produktion nicht mehr zeigt. «Vis motrix» handelt von der Entstehung allen Lebens, von der «bewegenden Kraft». Rafaële Giovanola, die zarte, charmante Schweiz-Bonner Choreografin, wird zum Dr. Frankenstein unserer Tage.
Wie üblich hat sie gemeinsam mit ihrem Dramaturgen und Cocoondance-Partner Rainald Endrass ihr Tanzlabor mit trendig-topaktuellen Theorien ausgestattet.
Vier Frauen liegen amöben-flach auf dem Rücken, scheinbar willkürlich verteilt im Raum. Schwarze Sneakers, schwarze Leggings und Shirts, die Haare so straff zum hohen Dutt gebunden, dass der Haarknubbel wie ein Einschaltknopf auf dem Kopf thront. Sie sind die Homunculi, die der düster vibrierende Elektrosound von Franco Mento langsam zum Leben erweckt. Erst wölbt sich nur der Brustkorb ballonartig nach oben als werde von außen Luft in die Lungen geblasen. Dann zucken Bewegungen wie elektrische Impulse durch die Körper, und die Tänzerinnen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2018
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Nicole Strecker
Längst hat sich der Sommer verabschiedet. Wie in Eiseskälte erstarrt, verharren die Tänzer auf der Bühne des Zürcher Opernhauses, als ob sie eines Toten gedächten. Nur Neonlicht. Nackte Betonwände ringsum. Nichts Wärmendes, nirgends. Selbst die Musik scheint zu frösteln. Die Klänge klirren, als Mauro Peter hinabsteigt in den nicht gar so tiefen Orchestergraben, um...
Was ist wahre Perfektion – ein glänzendes Schmuckstück für die Ewigkeit oder ein schöner, aber flüchtiger Moment im Tanz? Das Ballett des Theaters Pforz-heim hat seine erste Premiere ins Schmuckmuseum der Goldstadt verlegt und erforscht dort mit einer In-situ-Choreografie Themen wie Narzissmus und den Wert des Individuums. Ballettdirektor Guido Markowitz und...
Von dieser 93-jährigen Tänzerin kann man das Atmen lernen. Die berühmte Tanztherapeutin und Gründerin der Düsseldorfer «Werkstatt» (heute Tanzhaus nrw) erzählt in ihrem jüngsten Brevier ihre bewegende Lebensgeschichte und wie der «stärkende» Atem ihr nach einer Hirnoperation geholfen hat zu genesen. Ihr Hauptaugenmerk legt die in China geborene Deutsche im...
