Märchen, Mythen, Tanz
gehören buchstäblich seit Urzeiten zusammen. Steinzeitliche Rituale, mittelalterliche Fabeln, Fantasiegespinste – all das findet sich im Inventar des Balletts. Virtuose Interpret*innen träumen selbst am Rand aufreibender Proben weiter. München, Platzl 7, Sitz des Bayerischen Staatsballetts – in der ersten Etage proben Ksenia Shevtsova und Julian MacKay den Pas de deux, 2. Akt, aus «La Sylphide», romantische Repertoire-Ikone schlechthin. Die Besucherin nimmt neben Ballettmeisterin Judith Turos Platz und taucht ins Geschehen ein.
Beobachtet, wie die Erste Solistin die Arme des Kollegen in eine korrekte Croisé devant-Pose dirigiert, mit nichts als einem winzigen Schnips; wie er die Mehrfach-Pirouette so lange wiederholt, bis sie perfekt auf dem linken Knie landet; wie beide einem Ideal folgen, das Perfektion mit unwiderstehlicher Allüre paart.
Wenn Ksenia Shevtsova kurz pausiert, und seien es nur zwanzig Sekunden, schickt sie ihren Blick auf die Traumreise – aus dem Fenster hinaus, hinauf in den Himmel oder hinunter zum belebten Platzl. Einsatz? Blitzschnell schaltet die Ballerina um und legt Sprünge, Drehungen, Spitzenarbeit auf den Schwingboden, die schon beim Betrachten zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Dorion Weickmann
Ein ungewöhnlich geformter Stein liegt auf Anne do Paços Schreibtisch. Was es damit auf sich hat? «Es ist ein Faustkeil aus der Steinzeit, den ich an einem Strand in Nordportugal gefunden habe», erzählt do Paço Ende April, gut zwei Monate vor dem Ende ihrer Amtszeit am Wiener Staatsballett. Dieses Zeichen früher Zivilisation ist nicht nur formschön: Heute könne man...
Paris
SOMMERFESTIVAL
Im Juli sind immer noch ein paar Pariser*innen anzutreffen, bevor der Hochsommer sie aus der Stadt treibt. Insofern ist das Festival «Paris l’été» keine reine Touri-Veranstaltung, sondern ein Angebot für alle Performance-Fans. Sie kriegen auch 2025 ein feines, weil ebenso buntes wie ästhetisch faszinierendes Programm geboten, etwa mit...
Es ist kompliziert, sich im Alltag zu bewegen. Normalsterbliche schaffen es, indem sie nicht darüber nachdenken, wie viele Muskeln und Gelenke das Händeschütteln in Anspruch nimmt. Dann gibt es die anderen, die sich genau an der Komplexität der menschlichen Anatomie ergötzen, sie offenlegen und ausreizen. Alexander Vantournhout gehört in diese Kategorie. Der...
