lo real / le réel / the real

Israel Galván ist der Nijinsky des Flamenco. Auch, weil er einen Skandal in Madrid verursacht. Er tanzt den Genozid an den Gitanos

Tanz - Logo

Schon während der Premiere erhob sich ein Tross empörter Abonnenten aus den Reihen des königlichen Theaters in Madrid. Man protestierte lautstark und verlangte den Rücktritt des Hausherrn Gerard Mortier. Der aus Belgien stammende Intendant habe mal wieder falsche Erwartungen geweckt: Wo eingefleischte Flamenco-Versteher wallende Rüschenkleider und stampfende Damenschuhe erwarten, geht es dem Choreografen des Abends, Israel Galván, um die Deportation der Roma und Sinti in deutsche Konzentra-tionslager.

Mortier, der große Opernerneuerer, in Brüssel einst der Förderer von Anne Teresa De Keersmaeker, in Salzburg ein Revolutionär des bürgerlichen Musiktheaters, in Bayreuth dank grandioser Veränderungsfantasien schon an der Bewerbungsklippe gescheitert, dafür aber der Gründer der nicht eben erfolglosen «Ruhrtriennale» – dieser Mortier ist heute ein Meister der Irritation spanischer Selbstherrlichkeit, und das mitten in der schärfsten Wirtschaftskrise des Landes. Nur wenige Vorstellungen später jedoch ist sein Publikum ein ganz anderes, bereit zur stehenden Ovation.

Eigentlich schade. Die Unverbesserlichen machen nämlich mehr Wirbel als die Jüngeren, die ihr reales Theater für sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2013
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
scala-streik: salvatore nastasi

...von Freund und Feind vorzugsweise «Salvo» genannt, ist ein mächtiger Mann in der italienischen Theaterszene, regelmäßiger Gast auf den roten Teppichen von Mailand bis Palermo und immer für eine Provokation gut. Seit 2005 leitet der schwergewichtige Hüne das Ressort «spettacolo dal vivo», sprich: darstellende Künste im italienischen Ministerium für Kultur....

highlights

  toulouse:
kader belarbi

Als er 2008 als Étoile der Pariser Oper abdankte, fehlte eigentlich nur eine Trauerbeflaggung am Palais Garnier, um dem Abschiedsschmerz seiner unzähligen Fans Ausdruck zu verleihen. Jetzt haben sie ihn wieder, wenn auch in anderer Funktion: Seit August 2012 leitet der charismatische Halbalgerier das Ballett-Ensemble des Théâtre du Capitole...

Nur im Netz

Kaiser Antonio: «Wald Variationen» in Duisburg

Sebastian Matthias: «Danserye» on tour

Kik Melone: «Glory Glory Hamlelujah!» in Zagreb