Kippfigur
Im Grunde ist sie schon eine etwas ältere Dame – die Tänzerinnenfigur, deren Silhouette sich im Netz unablässig und abrufbereit um die eigene Achse dreht. Auf YouTube findet man bis zu zehn Jahre alte Postings dieses verblüffenden Videos, das Betrachter bis heute in zwei Lager spaltet.
Eine empirisch ermittelte Mehrheit sieht, dass sich die scherenschnitthafte Ballerina im Uhrzeigersinn dreht, die Übrigen erkennen auf den ersten Blick die genau entgegengesetzte Drehrichtung.
Ob links- oder rechtsherum – im Unrecht ist niemand, denn das irritierende Phänomen der «bistabilen Wahrnehmung» erklärt sich durch die Tatsache, dass unser Gehirn die zweidimensionale Darstellung unweigerlich in eine dreidimensionale umwandelt. Wie? Indem es im Sehzentrum Informationen aus unserem Erfahrungsschatz beisteuert, die das Gesehene zu einer potenziellen Realität ergänzen. Ob dabei, wie immer wieder behauptet, die jeweilige Dominanz der linken bzw. rechten Gehirnhälfte des Betrachters eine entscheidende Rolle spielt, ist wissenschaftlich umstritten.
Wir kennen Abbildungen solcher «ambiguous patterns» zumeist in unbewegter, zweidimensionaler Form. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und bis weit ins ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Marc Staudacher
Deutschland
On tour
Das Bolschoi Staatsballett Belarus gastiert mit «Schwanensee»: Kassel, Staatstheater, 20. Dez.; Frankfurt/Main, Jahrhunderthalle, 22. Dez.; Hannover, Theater am Aegi, 29., 30. Dez.; Bielefeld, Stadthalle, 31. Dez.; Stuttgart, Liederhalle, 3. Jan.; Leipzig, Gewandhaus, 6. Jan.; Berlin, Theater des Westens, 7. Jan. sowie mit «Der Nussknacker»:...
Die Tanzschüler der Pariser Oper, fünf Jahre später
Für ein Tänzerleben sind fünf Jahre eine halbe Ewigkeit. Genau so lange ist es her, dass die Dokumentarfilmerin Françoise Marie «Die Tanzschüler der Pariser Oper» über ein Schuljahr hinweg begleitete. Jetzt hat sie die Kinder und Jugendlichen von damals noch einmal besucht und neuerlich eine fünfteilige Miniserie...
Es gibt ein Thema, bei dem Yuri Fateev sofort der Hut hochgeht. Der Chef des Petersburger Mariinsky-Ballett würde am liebsten eine Trademark «Marius Petipa» installieren, findet er doch den Umgang mit dem wegweisenden Œuvre des Franzosen katastrophal: «Die Klassiker werden ruiniert, weil Leute wie Nurejew sie in den Westen exportiert und dann ihr eigenes Ding...
