Foto: Mats Bäcker
Johannes Öhman
Und wieder: der Neue vom Staatsballett Berlin. Nach dem Duato-Debakel nun das Öhman-Orakel. Doch so unbekannt ist er nicht. Meine erste Begegnug mit ihm datiert 1986, beim Ballettwettbewerb in Varna, wo er gerade seinen 19. Geburtstag feierte. Nicht gut beraten in der Wahl seiner klassischen Variationen und daher überfordert, steht in meinen Unterlagen. Dennoch erreichte er das Finale.
Nach 20 Tänzerjahren beim Königlich Schwedischen Ballett hörte ich erst wieder von ihm als Leiter des Göteborg-Balletts, dann als Direktor seiner einstigen Wirkungsstätte in Stockholm. 2018 tritt er, ein Jahr vor Co-Intendantin Sasha Waltz, die Leitung des Berliner Krisen-Balletts an, das einer künstlerischen Neuausrichtung dringend bedarf.
Die sieht Öhman in einer stärkeren Hinwendung zu heutigen Tanzidiomen und dem Zeitgenössischen verpflichteten Choreografen. Was er auf der Pressekonferenz für die erste Saison versprach, klang verheißungsvoll. Alexei Ratmansky für eine neue «Bayadère» gewonnen zu haben, ist ein Coup; Frank Andersen wird einen Bournonville-Abend einstudieren, Sharon Eyal und Richard Siegal, beide hoch gehandelt, stehen für Aufbruch in spannende Gefilde. Márcia Haydée und Mats Ek sollen inszenieren respektive kreieren und mithelfen, einen Bund zwischen Klassik und Moderne zu stiften. Auch das zu Recht sehr kämpferische Staatsballett scheint dem bedachtsamen Schweden allmählich zu trauen. Selbst wenn ein Tänzer-Exodus nicht auszuschließen ist, könnte Öhman eine gute Wahl sein: als umsichtiger Manager, dem keine choreografischen Ambitionen im Wege stehen, dem es um die Kompanie geht, nicht um die Vermarktung eigener Werke. Mit seinem Wissen um den akademischen Bereich und seinen internationalen Kontakten müsste er der Kontrapunkt zu Sasha Waltz' zeitgenössischer Arbeit sein, für die rechte Balance sorgen und damit eigentlicher Spiritus Rector werden. Terpsichore sei mit ihm!
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 182
von Volkmar Draeger
Dass man für bizarre Komik ebenso viele komplexe Fähigkeiten benötigt wie für dramatische Rollen, hat der Athener Euripides Laskaridis unlängst in Lyon demonstriert. Dort hat er eine Eigenkreation, das Solo «Relic», getanzt, eine Arbeit, die sich stilistisch jeder eindeutigen Zuordnung, Machart oder Mode entzieht und das Publikum gleich einer turbulenten Achterbahnfahrt in Atem hielt....
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr aus der Hüfte und ist...
Susanne Traub, nach welchen Kriterien werden Tänzerinnen und Tänzer, Choreografinnen und Choreografen für eine Residenz ausgewählt? Was müssen sie vorweisen? Inzwischen haben wir ein komplexes Residenzprogramm, das auch aus meiner Abteilung, die für Tanz und Theater zuständig ist, bespielt wird. Wir haben zwei feste Orte, zum einen die Villa Sul in Salvador de Bahia, Brasilien, zum...
