Ivana Müller: «While We Were Holding It Together»
Sie zuckt die Schultern, verdreht die Augen, sie zeigt in eine Richtung, egal, wie lang sie dies tut. Die Geste. Oder der Mensch. Zeigt der Arm geschlagene 66 Minuten in dieselbe Richtung, wie in der Uraufführung der kroatischen Künstlerin Ivana Müller in den Berliner sophiensælen, ist diese Geste ein weiß Gott besonders lang zum Stillstand gekommenes Zeichen des Körpers. Das Gegenteil von Tanz.
Fünf Performer nehmen in «While We Were Holding It Together» die Haltung eines Tableau vivant ein.
Sechsundsechzig Minuten lang wird jede der fünf unveränderlichen Gesten zum Objekt der Einbildung: Die fünf Performer könnten Statuen sein, von Archäologen ausgegraben. Oder Flüchtlinge, vor Schreck erstarrt in einem Minenfeld. Oder Reisende im Himalaja, die von dort Kaschmir überblicken. Fünf nur durch Blackouts sich kurz erholende Standbilder stellen uns die Welt vor: als eine Picknickgesellschaft im Wald oder eine Rockband ohne Instrumente. Sechsundsechzig Minuten lang halb ausgestreckte Arme könnten einen Teller mit Sandwiches reichen (der immer schwerer wird). Die mit halb verdrehter Hüfte am Boden Liegende könnte auch, weniger dekorativ gedacht, eine gebrochene Hüfte haben.
Fünf ...
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