Foto: Kerstin Behrendt
Inoah
Da steht einer, ganz vorne am Bühnenrand. Von schräg hinten hüpft ein Zweiter heran. In Flummi-Manier oder gerade so wie ein mit Sprungfedern ausgestatteter Akrobat: Nie berühren seine Fersen den Boden, nur Ballen und Zehen touchieren die Erde. Keine Sekunde später hebt der Körper abermals ab. So katapultiert sich der Mann Meter um Meter vorwärts, bis auf Armeslänge an den anderen heran.
Schon startet er den nächsten Aufstieg, da verpasst ihm der Nachbar wie aus dem Nichts – ja, was? Einen seitlichen Schubs in feindlicher Absicht? Oder lateralen Anschub, eine Art Freundschaftsdienst? Die Aktion lässt sich so oder so ausdeuten, ihr Effekt liegt im Auge des Betrachters. Unzweifelhaft aber sorgt der Impuls dafür, dass der Springer meterweit durch die Luft fliegt, in vollkommen aufrechter Haltung. Ein Manöver, derart spektakulär, dass der bogenförmige Weg des Körpers einen Kondensstreifen zu hinterlassen scheint. Das Bild gräbt sich ins Gedächtnis ein, weil es den letzten der drei Aggregatzustände einfängt, die hier nacheinander Gestalt angenommen haben: Distanz, Annäherung, Abstoßung. Der Dreischritt bündelt die Leitmotive von «Inoah», das Bruno Beltrão mit seiner Grupo de Rua in ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
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