Foto: Kerstin Behrendt
Inoah
Da steht einer, ganz vorne am Bühnenrand. Von schräg hinten hüpft ein Zweiter heran. In Flummi-Manier oder gerade so wie ein mit Sprungfedern ausgestatteter Akrobat: Nie berühren seine Fersen den Boden, nur Ballen und Zehen touchieren die Erde. Keine Sekunde später hebt der Körper abermals ab. So katapultiert sich der Mann Meter um Meter vorwärts, bis auf Armeslänge an den anderen heran.
Schon startet er den nächsten Aufstieg, da verpasst ihm der Nachbar wie aus dem Nichts – ja, was? Einen seitlichen Schubs in feindlicher Absicht? Oder lateralen Anschub, eine Art Freundschaftsdienst? Die Aktion lässt sich so oder so ausdeuten, ihr Effekt liegt im Auge des Betrachters. Unzweifelhaft aber sorgt der Impuls dafür, dass der Springer meterweit durch die Luft fliegt, in vollkommen aufrechter Haltung. Ein Manöver, derart spektakulär, dass der bogenförmige Weg des Körpers einen Kondensstreifen zu hinterlassen scheint. Das Bild gräbt sich ins Gedächtnis ein, weil es den letzten der drei Aggregatzustände einfängt, die hier nacheinander Gestalt angenommen haben: Distanz, Annäherung, Abstoßung. Der Dreischritt bündelt die Leitmotive von «Inoah», das Bruno Beltrão mit seiner Grupo de Rua in ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
Seit Jérôme Bel und das Theater Hora mit «Disabled Theater» international für Aufsehen sorgten, ist das Thema Inklusion endgültig im Tanz angekommen. In Europa hat Großbritannien die Nase vorn, dank Candoco, der 1991 gegründeten Company, in deren Reihen Menschen mit und ohne Behinderung tanzen. Zum Auftakt der Tagung «Tanz Körper Erweiterung – Stretching the...
Das kommt nicht oft vor: 60 Minuten zeitgenössischer Tanz, und am Ende erhebt sich das Publikum geschlossen, pfeift und johlt wie bei einem Rockkonzert. Und das gleich zur Uraufführung und obwohl Sharon Eyal im Rund der Oper von Montpellier keine leicht konsumierbaren Körperbilder lieferte, sondern durchaus verstörende Stimmungen.
Eyal und ihr Gefährte Gai Behar...
Highlights Oktober 2017
Bonn: On tour
Bangarra Dance Theatre
Seit 28 Jahren finden die Tänze der australischen Aborigines und Torres-Strait-Insulaner eine Heimat beim indigenen Bangarra Dance Theatre. Jahrelang war es im Hafen von Walsh Bay in Sydney ansässig, demnächst bezieht es ein neues Quartier. Davor aber tourt die Company durch Europa, verschiedene Programme...
