...im wohnzimmer
Der bekennende Voyeur sucht nach Momenten, in denen sich fremdes Leben manifestiert. Er sucht nichts Spektakuläres, nichts wirklich Fremdes, Aufregendes oder Entblößendes – wenn es nur einen Einblick gibt in ein Paralleluniversum, eine andere Realität, eine Alternative zum Wie und Wo des eigenen Lebens. Der bekennende Voyeur – ist er in fremden Wohnungen zu Gast – sucht nicht nach verborgenen Geheimnissen.
Wenn er einen Schrank öffnet, dann nur, um das Geräusch der Tür in den Angeln zu hören, den Duft einzuatmen, der den Fächern entströmt, die Schattierungen der Gegenstände zu erfassen, die dort aufbewahrt werden. Der bekennende Voyeur lässt die Hochglanz-Wohnzeitschriften mit den Präsentationen von Prominentenhäusern, in denen der Bücherstapel zur Tapetenfarbe passt, links liegen und vertieft sich in Magazine wie «apartamento», in denen das tägliche Chaos und der Reiz permanenter Provisorien gefeiert wird. Er nimmt jede
Gelegenheit wahr, die Wohnungen anderer Menschen zu betreten, um Blumen zu gießen, die Katze zu füttern oder – eine Aufführung zu besuchen.
Seit ein paar Jahren findet Theater mit großem Erfolg auch in Privathaushalten statt. Die Kanadierin Sarah Chase betanzte vor ...
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Tanz Juli 2011
Rubrik: ideen, Seite 56
von Katja Schneider
Bei -0,57°Celsius gefriert das Blut. So flüssig sind wir gar nicht, sagt Ira Demina. Mit dieser kaltblütigen These ist sie eine von vielen Hamburger Choreografinnen, die den Zustand des Denkens über den Körper formulieren. Wer in Hamburg überhaupt wie was tanzt, war immer schon ein Geheimnis, das Angela Guerreiro nun zum sechsten Mal auf der Präsentationsplattform...
DAS FESTIVAL VON AVIGNON
ist das große Theaterereignis in Frankreich. Bei diesem Festival, das nicht nur Tanz zeigt, entdeckt arte die wichtigen Themen bei den Choreografien. Die Kinder haben es dem Sender besonders angetan. Boris Charmatz setzt in «enfant» auf ihren unmittelbaren Charme (Seite 28), Anne-Karine Lescop schlägt gleich alle Fliegen aktueller Tanzmoden...
Wie sieht der Stein gewordene Wunschtraum eines Tänzers oder einer Choreografin aus? Es ist keine gemeißelte elegante Körperhaltung oder ein marmorner Sack Geld. Es ist Raum. Platz. Studio. Bühne. Garderobe, Duschen, Büro. Licht, gute Böden, hohe Decken. So wie dieses riesige Haus namens Joan Weill Center for Dance. Seit 2005 steht es mitten in Manhattan.
Für...
