Henning Paar
Lieber Henning Paar,
am Staatstheater Braunschweig schreibt das Publikum Kritiken. Beurteilt nach der Vorstellung Ihr Stück über den Tango. Mit Schulnoten. Man kann «passabel» oder «gut» oder schlimmeres ankreuzen und auf der Rückseite seinen Mut zusammennehmen und den eigenen Unmut präzisieren. Die Dame neben mir schreibt etwa, sie verstünde nicht, warum trotz Tango im Titel nur moderner Tanz drin gewesen sei.
Und warum die Männer bei Ihnen so plump durch den Kakao gezogen werden, obwohl der Tango den eleganten Machos so gut steht? Und warum soll sich ausgerechnet eine Frau nicht trauen, Tango zu tanzen, wie eine Ihrer Szenen lautet? Sie sehen, der Reflex der Dame ist zwar ganz mit Gleichberechtigung, aber trotzdem auch mit enttäuschter Erwartungshaltung beschäftigt. Natürlich kann man zu Astor Piazzolla ebenso gut Ballett oder barfuß tanzen. Das haben Hans van Manen oder Philip Taylor, dessen Nachfolge Sie am Münchner Gärtnerplatz 2007 antreten, auch schon gemacht. Darüber muss man sich keine Gedanken mehr machen. Doch genau das Gedankenlose scheint die Kundin zu stören, die ihre Postkarte nun an die Direktion weiterleitet: Dass Sie zweieinviertel Stunden lang Nummern abzogen ...
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