Helena Waldmann

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Das politische Tanztheater ist nicht tot. Es ist nicht einmal vom Aussterben bedroht – auch wenn die Orgien der Selbstbezüglichkeit, die die Bühnenkunst der 1990er Jahre prägten und bis heute fortwirken, diese Befürchtung schürten.

Der interventionistische Tanz deutscher Prägung, die kritisch-abstrahierende Gesellschaftsanalyse in der Nachfolge von Kurt Jooss, Johann Kresnik, Gerhard Bohner, Pina Bausch lebt derzeit in mannigfaltiger Weise auf: sarkastisch bei Jochen Roller, herausfordernd bei Constanza Macras, humorvoll bei Marguerite Donlon, feinfühlig bei Christian Spuck, rabiat bei Sasha Waltz, am kontroversesten jedoch bei Helena Waldmann. Die jüngsten Stücke der Berliner Choreografin machen Hoffnung, dass der Tanz sich auch künftig einzumischen vermag in den Weltenlauf, ohne in Agitprop auszuarten, und dass Abstraktion nicht notwendigerweise Eskapismus bedeutet. Unter dem Titel «Letters from Tentland» erforschte Waldmann gemeinsam mit einer Gruppe iranischer Frauen den Begriff der Freiheit und erfand die geniale Metapher der tanzenden Zelte, um sowohl die unendlichen Möglichkeiten als auch den begrenzten Raum unserer Freiheit zu illustrieren. Dass die Arbeit im Iran entstehen konnte, wo der Bühnentanz seit über 20 Jahren tabu ist, bewies einmal mehr die grenzüberschreitende Kraft des Ästhetischen. Dreiundvierzig fulminante Gastspiele in 17 Ländern absolvierte das Ensemble, bis die iranische Regierung schließlich einschritt und den Tänzerinnen nahe legte, das Tanzen in ihrem eigenen Interesse lieber sein zu lassen. ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 150
von Evelyn Finger

Vergriffen
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