hagen: moraes, arslan, hue «drei-mal-tanz»
Der Ballettdirektor als Arithmetiker: In Hagen multipliziert Kompanieleiter Ricardo Fernando die Choreografen zum Abend «drei-mal-tanz», rechnet viel Minimal Music, wenig Aussage und große Liebe zur Schönheit im Tanz zusammen – und erhält trotz Mängeln ein Plus im Ergebnis.
Faktor eins: Marcelo Moraes. Der Solist des Ensembles hat sich für sein zweites Tanzstück «Augen» von der stark physischen Malerei des Hagener Künstlers Emil Schumacher inspirieren lassen. Bewegung als Malerartefakte, als wütende Pinselstriche, nervöse Kalligrafien.
Eine schöne Idee, aber schal in der Ausführung. Denn während der wichtige Nachkriegsmaler mit leuchtenden Blau-, Rot- und Gelbtönen einen anarchischen Farbfuror entfachte, mal die Pigmente knubbeldick auf die Leinwand klecks-te, mal sie mit pudergleicher Zartheit hinstäubte, bleibt bei Moraes nur das Konzept, nicht aber der Tanz konfus. Swingerklub-Schwüle, wenn Frauen sich in breitbeinigen Pliés lasziv hin-auf- und hinunterräkeln. Knallige Licht- und Soundeffekte, kein choreografischer Kracher. Noch ist Moraes ein Stilsuchender.
Anders der gebürtige Türke Can Arslan. In seinem Stück «A Far Cry» ist die Welt erotisch wie auch stilistisch sauber ...
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