Gelsenkirchen: Bridget Breiner «Romeo und Julia»

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Wer von der großen Liebe erzählen will, erzählt auch vom Hass. Wer die Familien Montague und Capulet aufeinandertreffen lässt, gerät auch in einen Sog von Gewalt und Mord. Das macht Bridget Breiner in ihrer atemlos auf das entsetzliche Ende zusteuernden Choreografie schon in den ersten Minuten klar. Eine mysteriöse Spukgestalt eröffnet den Abend und lüftet den Vorhang vor einem kriegerischen Tableau. Eine Kapuze verbirgt ihr Gesicht wie beim mittelalterlichen Sensenmann.

Aber sie ist eine Allegorie für die Zeit, für das stets unglückliche Timing in Shakespeares Drama, das etwa Romeo am Ende winzige Sekunden zu früh zum Dolch greifen lässt. Einen Moment später, und er hätte bestaunen dürfen, wie seine Julia von den Toten aufersteht.

Bridget Breiner nähert sich der süß-schmerzlichen Tragödie mit großer Geste. Die Ballettdirektorin war selbst einst die Julia in Deutschlands berühmtester Version von John Cranko. Und wie der Meister so legt auch Breiner viel Wert auf Verständlichkeit der Lovestory, wenn auch mit spürbarer Ambition zur Abstraktion. Bühnenbildner Jürgen Kirner hat wandelbare Gerüste aus Holzgitterstäben gebaut, die auch während der Tanzpassagen in Bewegung bleiben. ...

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Tanz April 2018
Rubrik: Kritik, Seite 39
von Nicole Strecker

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