forschung: das drama des prekären...
...heißt eine Dissertation, die mal nicht darüber meckert, dass «Prekariat» jene Klasse von Tänzern bezeichnet, die zu wenig Geld für ihre Arbeit an sich selbst erhält. Jochen Roller hat das ja mal wunderbar thematisiert, ihm wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber Katharina Pewny erweitert den Begriff, übersetzt ihn wörtlich mit «ungesichert», «verletzlich». So wird’s allgemeiner. Die Lage des Menschen ist nicht kontrollierbar – da ist sie bei Meg Stuart. Natürlich ist der Körper selbst «prekär» – trotz Airbag und Sicherheitsgurt versichert ihn nichts.
Auch Grenzüberschreitungen sind «prekär». Verletzt man Grenzen, wird man selbst verletzlicher, etwa wenn der Kunstchoreograf Tino Sehgal aus dem Tanz ausschert. Nicht nur Sparten-, auch Landesgrenzen zu überschreiten: alles verletzt. Kollektive: sind Verletzer der Theaterhierarchie. Es ist wie so oft: Man muss nur lange genug auf einen Begriff starren, schon ist alles «unsicher», alles prekär, das Prekariat selbst wird zum Weltthema. Ein Wunder, dass Pewny dafür nur 300 Seiten bemüht hat.
Katharina Pewny, «Das Drama des Prekären. Über die Wiederkehr der Ethik in Theater und Performance», transcript, Bielefeld 2011
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Tanz Juni 2011
Rubrik: medien, Seite 57
von Arnd Wesemann
«Magst du Blumen?», fragt Gregory Maqoma seine Tanzpartnerin Shanell Winlock. Sie tanzt ungerührt ihre wunderschönen Sequenzen und beschimpft ihn, zu spät gekommen zu sein. Der Lacher ist auf ihrer Seite. Humor ist nicht unbedingt eine Stärke von Tanz. Aber «Southern Comfort», choreografiert von Gregory Maqoma aus Südafrika, entstanden 2001, zeigte in seiner...
...bleibt Intendant des Théâtre de la Ville in Paris. Das ist fast noch erstaunlicher als die Hauptnachricht: Der Heißsporn wurde nach langer Suche als neuer Leiter des «Festival d’Automne» nominiert. Im Théâtre de la Ville hat er, entgegen ursprünglichen Beteuerungen, den Tanz heruntergefahren. Beim großen Pariser Festival droht nun Ähnliches, spätestens ab 2013,...
«Sie schwebt zwischen ihrer Fähigkeit, sich frei bewegen zu können, wenigstens scheinbar frei, und dieser absoluten Stummheit ihres Tanzes. Wenn man über Tanz spricht, denkt man doch instinktiv an die Schritte, jedenfalls an etwas, was mit Füßen zu tun hat. Tamar Borer hat Füße, die sich dem Tanzen verweigern, aber aus genau dieser Verweigerung heraus entsteht ihr...
