Emanuel Gat: "My Favorite Things"
Erst mal zuhören. Der Abend beginnt mit einer stillen Huldigung an den Meister des Jazz, den seine Verehrer «J. C.» nannten, wie den Christ. Dann erscheint Emanuel Gat. Steht im Wind der Zeit, im Sturm der Bläser.
Er fühlt. Alles. Er tanzt nicht zu John Coltrane, sondern er ist die Musik. Er krallt sich hinein in den Fluss der Rhythmen, bis in die intimen Widerstände der Partitur.
Nach «Sacre du printemps», «Winterreise» und Mozarts «Requiem» kommt das Stück, das John Coltranes Geburt als Komponist markiert, gerade recht für das Selbstbildnis eines Choreografen, der nach dem Reinen strebt, indem er die Wirren des Lebens liebt.
Seine Bewegungen verbergen oft ihr Gegenteil in sich. Unter einer auf den ersten Blick fließenden, harmonischen Oberfläche verstecken sich kantige, sperrige Artikulationen der Arme und des Körpers. Das Animalische im Menschen, hier ist es gebändigt, aber es bleibt präsent. Der Choreograf und Solist kniet am Boden, als suche er Erleuchtung, wirkt, als entsteige er Erinnerungen.
Coltrane lebte mit Widerständen aller Art. Rassismus, Gewalt, Alkohol. Bis er sich islamischer Mystik zuwandte. «My Favorite Things» hieß das Stück, mit dem er kurz danach zu seinem ...
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