Düsseldorf: «b.28»
Verschwunden sind von den Bühnen die duftig-zarten Tüll-Kreaturen. Verschwunden die lieblichen Dämchen. Geblieben sind nur Dämonen, aggressive Fantasiekreaturen und sinister-sinnliche Vamps. Lauter schwarze Schwäne, ohne ihr puderweißes Pendant. Gerade das Ballett am Rhein ist bekannt für seinen grimmig-rabiaten, sexy Spitzenschuh-Einsatz. Dieses Talent scheint auch Choreograf Hubert Essakow an der Kompanie zu interessieren. Rotschimmernde Körper schälen sich aus dem Dunkel hervor wie glühende Kohlen.
Sie räkeln, rutschen, kriechen als amorpher Menschenklumpen über die Bühne, ihre Körper sind mehr hör- als sichtbar, weil Mikros die Bodengeräusche auffangen. «Tenebre», also «Finsternis», heißt die atmosphärisch faszinierende Choreografie des gebürtigen Südafrikaners, der beim Royal Ballet London und der Rambert Dance Company tanzte. Titelgemäß bleibt alles im Obskur-Schemenhaften. Frauen auf Spitzenschuhen, die Männer in irritierend femininen Trikots. Sie zeigen sich mit stets minikurzen und lustschmerz-gespreizten Bewegungssequenzen, ehe sie im Schatten, zwischen den Körpern der Kollegen verschwinden. Man hätte davon gern mehr gesehen, doch kaum dringt Licht in die Gemeinschaft, ...
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Tanz Juli 2016
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Nicole Strecker
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