Demokratisch denken

Seit sieben Jahren sorgt Antoine Jully am Oldenburgischen Staatstheater für volles Haus, und das keineswegs mit einer ballettkonservativen Agenda.

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«Heute früh stand ich auf meinem Balkon», erzählt Antoine Jully mit dem charmanten, überakzentuierten Englisch des französischen Muttersprachlers. «Und ich fragte mich: Werden wir wohl über Konservatismus reden oder nicht?» Der Konservatismus treibt den Choreografen um, so sehr, dass er sich schon vor dem Interview sorgt, ob das wohl ein Thema wird.

Klar: Als Jully vor sieben Jahren die Tanzsparte am Staatstheater Oldenburg übernahm, jubelte die Lokalpresse, dass die Stadt endlich wieder eine klassische Ballettkompanie bekäme, nach den zeitgenössischen (und überregional gefeierten) Experimenten seines Vorgängers Honne Dohrmann. Und so sah sich Jully in eine Rolle gedrängt, in die er nur zum Teil passt: in die des Traditionalisten und Bewahrers.

Richtig ist, dass Jully tatsächlich bewahrt. «Ich weiß nicht, ob ich ein kompletter Konservativer bin», beschreibt sich der heute 42-Jährige, «aber ich habe natürlich eine Vergangenheit, die ich nicht vollständig verwerfen kann.» Und diese Vergangenheit heißt: Neoklassik. Geboren wurde Jully in Paris in eine kunstnahe Familie, eine Cousine war Tänzerin an der Pariser Oper. Als Vierjähriger begann er, Tanzstunden zu nehmen, ausgebildet wurde ...

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Tanz Februar 2021
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Falk Schreiber

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