Claudia Lichtblau: «Palimpseste»

in Essen

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«Ich kann nicht anders», sagt der nackte Mann im roten Sessel. Sein Haupt ziert eine goldene Krone. Adam (Matthias Hartmann) hat den Thron der Männlichkeit bestiegen. Eva (Nancy Woo), deren Blick nicht nur die Sonnenbrille trübt, legt sich trotz ihrer Blöße auf den kalten Betonboden. Das Salzlager der ehemaligen Kokerei der Zeche Zollverein in  Essen ist ein Paradies dritter Klasse: der Bühnenraum mit seinen rostigen Mauern, die beinah  zur Unkenntlichkeit stilisierten Figuren, die in Fetzen zerrissenen Texte, die Natur als imitierte Vogelstimme und der Tanz als theatrales Moment.

Palimpseste betitelt Claudia Lichtblau ihre Performance für zwei Frauen und zwei Männer mit der griechischen Bezeichnung für eine Handschrift, die nach Auskratzen des ursprünglichen Textes neu beschrieben wurde. Und darum leidet nun jeder an seiner Vergangenheit. Die verletzten Seelen verschaffen sich Luft beim Schreien, Kriegsspielen und Suizid. Lichtblaus 13. Produktion auf dem alten Industrie­gelände des Welt­kulturerbes arbeitet symbolhaft am Geschlechterkampf, als Palimpsest des frühen deutschen Tanztheaters mit einer leidensfähigen Penelope und einer kämpferischen, schwarz gekleideten Penthesilea. ...

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Tanz Januar 2006
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Bettina Trouwborst

Vergriffen
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