Bielefeld: Simone Sandroni «Romeo und Julia»
Das Beste kommt mitunter zum Schluss – so auch bei Simone Sandronis «Romeo und Julia». Von Verzweiflung getrieben, jagt Noriko Nishidate über die Bühne, auf die sich minutenlang strömender Regen ergossen hat. Wie besessen durchpflügt die Tänzerin die riesige Wasserlache, vollführt waghalsige Sprünge und Drehungen auf dem rutschigen Untergrund, bis sie schließlich völlig durchnässt zusammenbricht. Doch es ist nicht Julia, die hier den Verlust ihres Geliebten betrauert, sondern die Amme, die so mitreißend wie erschütternd das tragische Schicksal des jungen Liebespaares beklagt.
Sandroni hat sich zu Beginn der neuen Saison an Shakespeares Tragödie gewagt und für sein zehnköpfiges Ensemble eine zeitlich und inhaltlich stark eingedampfte Version sehr frei umgesetzt. Wie sein Vorgänger Gregor Zöllig entwickelt der Bielefelder Tanzchef alle Arbeiten gemeinsam mit den Tänzern, die ihre eigenen Erfahrungen und Charaktere einfließen lassen. Das Resultat ist eine überraschend gut eingespielte Einheit, zumal wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Kompanie erst seit dieser Spielzeit mittanzt. Gleichwohl wirkt das Stück etwas unentschlossen.
Manchmal gibt es deutliche Anspielungen auf die ...
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Tanz Dezember 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Kirsten Pötzke
Wien ist zu nicht unerheblichen Teilen eine schöne Stadt. Ihre bedeutendsten Bauten allerdings bleiben – im Gegensatz zur tourismusfördernden Ringstraßenpracht – unsichtbar. Es handelt sich um immaterielle Wellenbrecher, die nach außen wie innen wirken und tief verankert in den meisten Wiener Köpfen sitzen. «Nur keine Wellen» (heißt: «nur kein Aufsehen, keine...
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