Bielefeld: Simone Sandroni «Romeo und Julia»
Das Beste kommt mitunter zum Schluss – so auch bei Simone Sandronis «Romeo und Julia». Von Verzweiflung getrieben, jagt Noriko Nishidate über die Bühne, auf die sich minutenlang strömender Regen ergossen hat. Wie besessen durchpflügt die Tänzerin die riesige Wasserlache, vollführt waghalsige Sprünge und Drehungen auf dem rutschigen Untergrund, bis sie schließlich völlig durchnässt zusammenbricht. Doch es ist nicht Julia, die hier den Verlust ihres Geliebten betrauert, sondern die Amme, die so mitreißend wie erschütternd das tragische Schicksal des jungen Liebespaares beklagt.
Sandroni hat sich zu Beginn der neuen Saison an Shakespeares Tragödie gewagt und für sein zehnköpfiges Ensemble eine zeitlich und inhaltlich stark eingedampfte Version sehr frei umgesetzt. Wie sein Vorgänger Gregor Zöllig entwickelt der Bielefelder Tanzchef alle Arbeiten gemeinsam mit den Tänzern, die ihre eigenen Erfahrungen und Charaktere einfließen lassen. Das Resultat ist eine überraschend gut eingespielte Einheit, zumal wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Kompanie erst seit dieser Spielzeit mittanzt. Gleichwohl wirkt das Stück etwas unentschlossen.
Manchmal gibt es deutliche Anspielungen auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Kirsten Pötzke
Sechs nackte weiße Torsi, sechs Tänzerinnen und Tänzer ganz in Schwarz mit weißen Halskrausen im Rhythmus von Julia Kents Cello-Komposition «Overlook» – sogleich wird man entrückt in die Welt von «Shakespeare Dreams» im Regensburger Velodrom. Monika Frenz‘ Bühne weitet das Geschehen in die durchlichterte Nacht kosmischer Zeitlosigkeit und gespiegelter Verzerrung....
Die École des Sables, Mutter der zeitgenössischen Tanzausbildung in Afrika, droht finanziell zu verdursten. Von Germaine Acogny und Helmut Vogt erdacht, erbaut, belebt, betrieben und 1998 südlich von Dakar im Fischerdorf Toubab Dialaw eröffnet, kämpft die Schule um ihre Zukunft. Dass Generationen von Tänzern des afrikanischen Kontinents hier Kontakt zur...
Vierzig Jahre und kein bisschen leise! Seit 1976 macht Maguy Marin ihre Stücke, mal als Leiterin eines Centre Chorégraphique National, mal auf der verzweifelten Suche nach einer Arbeitsstätte. Den Gegensatz zwischen arm und reich hat sie am eigenen Leib erfahren. Jetzt doziert sie von der Bühne herab über die Klassengesellschaft und macht die Jahreszahl zum Titel:...
