Brüssel

Pieter T’Jonck nimmt uns an die Hand und zeigt uns seine Heimatstadt Brüssel, vom Dachboden bis zur Oper. Er hat nur ein Problem: Welches Brüssel hätten Sie denn gern? - Wallonischen Tanz? Derzeit läuft das Festival Charleroi/Danses mit durchaus auch flämischem Programm - Flämischen Tanz? Gibt’s beim KunstenFESTIVALdesArts, mit vielen Wallonen und noch mehr internationalen Gästen - Reinen Tanz? Hat sich in Brüssel historisch nicht so ergeben. Die Revolution in den 1980ern hasste die Spartentrennung - Leuchttürme? Sie denken an Anne Teresa De Keersmaeker, aber sie konnte ihren Vertrag mit der Oper nicht verlängern

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Brüssel ist mysteriös. Man mag als Fremder am Zentralbahnhof ankommen, über den Grand’ Place flanieren und irgendwo das winzige Manneken Pis finden – oder sich gleich bis zur Börse durchschlagen und weiter ans Kaaitheater gelangen. Der Spaziergang dauert knapp eine halbe Stunde. Aber ist das wirklich Brüssel? Man kann mit der Tanzszene rund um die Beursschouwburg und der Dansaertstraat in den vielen Cafés und Restaurants der Brüsseler Unterstadt campieren, am liebsten im Schachcafé Greenwich. All das gehört zu einem ersten guten, aber kleinen Eindruck.

Zwischen Königspalast und dem Hauptsitz der Europäischen Union, zwischen schauerlichen Verwaltungsklötzen und urwüchsigen Altbauten, die keine Feuerversicherung mehr wert sind, ist diese Stadt trotzdem vor allem eins: ein Hybrid. Hauptstadt von Belgien, Europa und Flandern (in dieser Reihenfolge), dabei in der Mehrheit französischsprachig und darum Sitz der französischsprachigen Gemeinschaft, die etwas anderes ist als die französischsprachige Provinz Wallonien (mit ihrer Hauptstadt Namur).

Wer das verstanden hat, kann Brüssel nun auch als Konglomerat von 19 Gemeinden mit jeweils eigenem Bürgermeister und Magistrat betrachten, und ...

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Tanz April 2007
Rubrik: Bru sXs els, Seite 10
von Pieter T'Jonck

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