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CD des Monats

Monteverdi «Il ritorno d’Ulisse in patria»

Claudio Monteverdis venezianisches Spätwerk «Il ritorno d’Ulisse in patria» liegt seit Nikolaus Harnoncourts bahnbrechender Einspielung aus dem Jahr 1971 in zahllosen Aufnahmen vor. Wer sich dieser erdrückenden Konkurrenz ernsthaft stellen will, muss etwas Neues zu sagen haben! Wie der französische Dirigent Stéphane Fuget, der bisher hauptsächlich mit geistlichen Werken von Couperin und Lully hervorgetreten ist. Gemeinsam mit seinem Ensemble Les Épopées und famosen Solistinnen und Solisten schafft er einen Neuzugang zum recitar cantando, jenem für die italienische Oper des Frühbarock charakteristischen Deklamationsstil zwischen Singen und Sprechen, der über das gewöhnliche Sprechen hinausgeht und doch «unterhalb» des Gesangs verbleibt. Er findet ihn, mit überzeugenden Quellennachweisen, in der Mikrointervallik jenseits der exakten Wiedergabe der musikalischen Notation, in den «Schönheiten und Feinheiten, die nicht geschrieben werden können», wie es bereits 1600 im Vorwort zu Jacopo Peris «L’Euridice» heißt.

Ziel seiner Wiedergabe ist nicht der wie immer geartete «schöne» Gesang des hochbarocken Belcanto, sondern ein Reichtum an Stimmbeugungen, Redeflüssen und Affekten, die, ganz im Sinne von Monteverdis seconda pratica, das Wort über den Ton stellen und das in einer Konsequenz und Radikalität der Deklamation, wie man sie so noch nie zuvor gehört hat. Selbst die sonst immer ein wenig blass bleibende Reflexion der allegorischen Figuren im Prolog über die Selbstverblendung des Menschen nimmt bei Fuget eine emotionale, existentielle Dringlichkeit an, die berührt. Was wir hören, ist ein rezitiertes, immer wieder von ariosen Einschüben, Liedern, Duetten und Chören unterbrochenes Schauspiel.

Den gesamten Beitrag von Uwe Schweikert lesen Sie in opernwelt 12/2022