Inhalt

Kein Kommentar

Salar Ghazis Film «In Bewegung bleiben», ein Dokumentarfilm über Tanzschicksale zwischen Ost und West

«In Bewegung bleiben»ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Film geworden. Nicht nur, was seine Finanzierung und die Zeit seiner Entstehung, sondern auch Machart und Aussagekraft betrifft. Salar Ghazi, 1964 als Sohn eines iranischen Kurden und einer deutschen Mutter in Hamburg geboren, hat sich als Cutter beim Fernsehen einen Namen gemacht. Um in eigener Regie einen Film zu drehen, muss er erst Erfahrungen sammeln, und dabei kommt er sich manchmal vor wie bei einer «Schüler-AG aus dem Geschichte-Leistungskurs», wie er einmal selbstironisch in einem Interview vermerkt. Anzusehen ist das dem Film nicht einen Augenblick. Auch nicht, dass Ghazi an ihm immer wieder mit erheblichen Unterbrechungen seit 2007 gearbeitet hat.

Ungewöhnlich ist «In Bewegung bleiben» auch insofern, als Ghazi auf jede Kommentierung verzichtet. Ein paar Inserts. Mehr nicht. Der Film spricht für sich selbst, und er ist alles andere als schwarz-weiß, auch wenn er in schönstem Schwarz-Weiß gedreht worden ist. Alle Grauwerte inklusive. «Exercice» nennt sich nicht ohne Grund der erste Teil, in dem Sven Grützmacher, Uwe Küßner, Uwe Nötzel, Mario Perricone und all die anderen erst einmal den Ausgangspunkt ihres künstlerischen Seins reflektieren und dabei wie von selbst noch einmal das Bild einer DDR erstehen lassen, deren Konturen sonst allzu leicht im Vergessen verschwinden. «Grand Pas» nennt sich der zweite, der das Gesagte vertieft. «En Dehors» ein anderer, in dem die Protagonisten von ihren «Grenzerfahrungen» berichten, kurz: wie sie vor allem das westliche Ausland erfuhren auf ihren Gastspielen. Und Erfahrungen machten, die sicher nicht ohne Einfluss gewesen sind auf ihre spätere Entscheidung, das Land zu verlassen.

Ghazi hat sein ganzes Können und Kapital darangesetzt, um den Film nach seinen Vorstellungen zu realisieren – in der scheinbar so schlichten Dokumentarfilm-Tradition eines Eberhard Fechner, den er einen «Paten» nennt, und ohne alle Effekthascherei, die Leute wie Guido Knopp offenbar für unverzichtbar halten, um eine Geschichte vor den Augen der Zuschauer spektakulär zu machen.

Den gesamten Beitrag von Hartmut Regitz lesen Sie in tanz 12/21