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Rezensionen

Foto: Falk von Traubenberg

Nicola Antonio Porpora: «Bayreuth baroque» in Bayreuth

Es ist eine doppelte Belebung, die Max Emanuel Cencic veranstaltet. Zum einen die des Markgräflichen Opernhauses, das die übervorsichtigen bayerischen Denkmalschützer am liebsten nur als Museum öffnen würden. Und es ist das Wachküssen einer Oper, Nicola Porporas «Carlo il Calvo», die kurz nach ihrer Uraufführung 1738 durchs Raster fiel. Warum, das leuchtet nach einer Ouvertüre, 26 Arien, einem utopisch-himmlischen Duett, einem Ensemble, diversen implantierten Verwandlungsmusiken, alles in allem fünf Stunden inklusive zwei Pausen, kaum ein. Man muss die Sache eben nur so anpacken wie Cencic, der in Personalunion als Countertenor, Regisseur, Produzent und Chef eines neuen Festivals aktiv ist.

In Spazierweite des grünen Hügels stemmt er erstmals Bayreuth Baroque. Einen besseren Start hätte er nach dem bejubelten «Carlo», Vincis konzertantem «Gismondo» sowie prominent besetzten Konzerten zwischen Joyce DiDonato und Jordi Savall nicht erwischen können. Obwohl: Eigentlich kalkulierte man mit 500 Zuschauern, die zu diesem Zeitpunkt noch immer restriktive, auch irrationale bayerische Corona-Politik erlaubte nur 200. Bei einem Etat von 1,5 Millionen Euro war der Ticket-Erlös eigentlich mit einem Drittel eingepreist. Im Jahr eins läuft Bayreuth Baroque also mit Zwangsverlust, die Geldgeber – ob öffentliche oder private Hände – wollen das ausgleichen.

Seine 40. Oper brachte Porpora 1738 in Roms Teatro delle Donne heraus. Eine Zeit, in der sich einige Hundert Kilometer weiter nördlich Bayreuth von der muffigen Provinzstadt zum Zentrum der Musen häutete. Vier Jahre zuvor war Markgräfin Wilhelmine von Berlin übergesiedelt, 1748 sollte sie dann ihr Markgräfliches Opernhaus einweihen. Als Hort der Opera Seria dachte sie sich das Prachtstück, Cencic ist, wenn man so will, ihr postumer Erfüllungsgehilfe. Im virtuosen Entblättern der vertrackten Handlung ist er ein Meister. Mit schwarzhumoriger Verve und im Stil einer Telenovela zeigt Cencic eine Familie, die nur um sich und ihre Egos kreist.

Die gesamte Rezension von Markus Thiel lesen Sie in Opernwelt 11/2020