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König kleiner Gesten

Ein Nachruf auf Michael Gwisdek

In seiner Jugend war für Gwisdek der ersehnte Filmschauspielerberuf zunächst nur knalliges Showbusiness, dann auf der Bühne und besonders bei seinen eigenen Filmarbeiten war er darauf bedacht, «Overacting» zu vermeiden, das Spielen mit möglichst kleinen Gesten und höchster Intensität spannend zu machen.

Seine zweite Regiearbeit «Abschied von Agnes» entstand 1994, ein Stasidrama um den arbeitslosen Wissenschaftler Heiner, und 1998 folgte noch «Das Mambospiel», die Geschichte des alternden Schauspielers Martin, den er selbst spielte. Seine Ehefrau war Corinna Harfouch, mit der er seit 1984 verheiratet war. Im Film nun liebten sie sich, haderten miteinander, zerstritten sich. Und so auch im Leben.

Als der Film bei der Berlinale 1999 uraufgeführt wurde, distanzierte sich Gwisdek von ihm, er hielt ihn für misslungen, Corinna Harfouch nahm den Beifall im Kino «International» allein entgegen. Die Ehe wurde geschieden. Aber dennoch traten sie immer wieder miteinander auf, vor allen Dingen mit ihren beiden Söhnen Johannes und Robert. Johannes ist Musiker und Leader der Band «Die Tentakel von Delphi», Robert ist ebenfalls Schauspieler. Beim deutschen Filmpreis 2013 schnappte Michael Gwisdek seinem ebenfalls in der Kategorie «Bester männlicher Nebendarsteller» nominierten Sohn den Preis weg, bedankte sich aber mit einer Rede, in der er sehr lustig und liebevoll sein Nichts- und Wenigermachen – im Gegensatz zum «Spielen» – auf einen Ratschlag von Robert zurückführte.

Den vollständigen Nachruf von Klaus Völker lesen Sie in Theater heute 11/2020