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Rezensionen 11/19

Foto: Andreas Pohlmann/Burgtheater Wien

Euripides: Die Bakchen in Wien

Am 2., 10., 24. November im Burgtheater

Ulrich Rasches Version des Euripides-Dramas «Die Bakchen», mit der Kušej seine Intendanz eröffnet, wirkte wie die Bebilderung einer politischen Gewaltfantasie. Ein düsterer, apokalyptischer Maschinentheaterchorabend, wie man ihn von Rasche kennt. Am Burgtheater gibt dieser Regisseur sein Debüt mit einem Kraftakt, der die 406 vor Christus uraufgeführte Tragödie ins Herz der gegenwärtigen politischen Finsternis beamt. Die wild wütenden Bakchen wettern da gegen Vernunft und Tugend, sie drohen, die hohle Mitte stürzen zu wollen, fordern Identität und Unversöhnlichkeit. Dionysos, dieser Gott des Gemetzels, von Franz Pätzold charismatisch wie der Film-Chaosbringer «Joker» angelegt, infiziert aus persönlicher Kränkung (vielleicht ist er doch nur ein Halbgott) eine gesamte Stadt mit Raserei und sorgt für eine Entgleisung sondergleichen.

Der Abend ist die Studie einer gesellschaftlichen Verrohung. Sein Gegenspieler, der verklemmt-biedere Pentheus (Felix Rech, zugeknöpft und rechtschaffen), wirkt wie ein Vertreter der Willkommenskultur («Wir hören auf Gesetze, vor allem jene zum Schutze der Verfolgten»), während die Bakchantinnen (bei Rasche überwiegend männlich besetzt) sich als Faschos und Wutbürger zu erkennen geben. «Wir holen uns unser Land zurück!», brüllen sie im Chor.

Rasche und sein Dramaturg Sebastian Huber haben den Text brachial zurechtgebogen. Nietzsches «Also sprach Zarathustra» wird ebenso zitiert wie ein religionskritisches Fragment des Kritias und Passagen aus der «Gefallenenrede des Perikles».

Den vollständigen Beitrag von Karin Cerny zum Start von Martin Kušej in Wien finden Sie in Theater heute 11/19