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Rezensionen 11/19

Rodion Shchedrin: Lolita

Vergleiche mit Wagners «Tristan und Isolde» oder Bergs «Lulu» gehen nicht völlig in die Irre: Auch «Lolita» schildert mit feinsinnigem Gespür ein als skandalös empfundenes Liebesdrama; die Musik, zeitgenössisch ohne nivellierende Abstraktionen, enthält keine stereotypen Muster wie Tanz, Lied oder Choral, auch keine Zitate oder Parodien – abgesehen von einer Anspielung auf Bergs Violinkonzert, das nicht zufällig dem «Andenken eines Engels» gewidmet ist; Lolitas Hauptmotiv erinnert harmonisch an den schwärmerisch-schwermütigen Ton des Konzerts.

Shchedrin wollte Nabokov seit den 1960er-Jahren vertonen, als der Roman des russischen Exilautors in der Sowjetunion – und nicht nur dort – noch verboten war. Eine Möglichkeit ergab sich erst 1994, als Pariser Oper sich von ihm etwas im Stile der «Toten Seelen» wünschte, seiner Gogol-Vertonung aus dem Jahr 1976. Einer Anregung des Dirigenten Gennady Rozhdestvensky folgend, griff Shchedrin nach dem heißen Sujet.

Die vollständige Rezension der Prager Aufführung
von Volker Tarnow finden Sie in Opernwelt 11/19