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Rezensionen Oktober 2022

Angelin Preljocaj «Mythologies» in Aix-en-Provence

Preljocajs wilder Galopp führt über Stationen wie die Enthauptung der Medusa, den Garten Eden, Amazonen mit ihren Schießbögen und Kriegsgott Ares. Gewalt, Romantik, Größenwahn. Das Publikum erlebt eine Art Kartografie unseres kollektiven Gedächtnisses, hat aber keinen Leitfaden zur Hand, um sich in all diesen Historien zu orientieren. Und das ist gut so, denn es geht um Archetypen.

Die sich waschende Aphrodite könnte in ihrem bezaubernden Solo (Verity Jacobsen, Ballet Preljocaj) sowohl als Diana im Bad durchgehen wie gleich darauf als Medea, wenn sie ihre Arme rot einfärbt. Der männliche Heldenstatus fällt Zeus und Alexander dem Großen zu, aber warum sollte es sich nicht um Achilles oder Agamemnon handeln? Dann erhebt sich Ikarus über drei gewaltigen Käfigen, in und auf denen Menschen wie Glut lodern. Das Schlussbild zeugt von der Macht des Ares, wenn im Hintergrund Bilder aus Kriegen flackern, vom Zweiten Weltkrieg bis zur Ukraine. Da ist der Tanz tot, es bleiben bodybags, die über die Bühne robben. Die Wirkung ist umso stärker. Denn das Stück hat bis dahin intensiv jenen Mythos entfaltet, um den es letztendlich geht: das Ballett.

Die gesamte Rezension von Thomas Hahn lesen Sie in tanz 10/22Zum Artikel