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Rezensionen

Maja Schöne, Foto: Armin Smailovic

Dostojewski: «Der Idiot» im Hamburger Thalia-Theater

Gleich zu Beginn gelingt es Regisseur Johan Simons, seine Schauspieler trotz längerer Dialoge so in Bewegung zu versetzen, dass die weißen Bodenquadrate – offenbar aus Kreide aufgestreut – und die schwarzen Flächen in schönste Unordnung geraten, was schon einen starken Interpretationshinweis liefert, der Dostojewski im buchstäblichen Sinn hintergeht: Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß. Den Rest an Deutungsarbeit übernimmt das Ensemble. Felix Knopp und Steffen Siegmund stoßen Rogoschin und Ganja von ihren allegorischen Sockeln als Vertreter animalischer Gier oder Geldlust und positionieren sie als zunehmend verunsichterte, mehrfach abgewiesene Liebhaber. Christiane von Poelnitz gelingt es zupackend, das immer wieder auseinanderdriftende Salonpalaver energisch zu bündeln und voranzutreiben; Maja Schöne zerlegt die vorlaut-selbstgewisse Bürgerstochter Aglaia scheibchenweise in ihre nervlichen Grundbestandteile, und Marina Galic vollbringt das nicht geringe Kunststück, die überirdisch schöne, in angeblicher Schande erniedrigte Männerprojektionsfigur der Nastassja Filippowna auf zwei gut geerdete Beine zu stellen.

Die gesamte Rezension von Franz Wille lesen Sie in Theater heute 10/21