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Maschinen-Tanz

Ein Industrieroboter lernt Ballett

Putz bröckelt von den Wänden, einige der Fenster sind zerbrochen, über Klüfte und seitliche Durchbrüche kann man von der Galerie aus tief in das unebene Grundgeschoß blicken. Ein ideales Setting für utopische Stimmungen! Die Halle im Obergeschoß wirkt kalt und verlassen, und doch steckt viel Leben darin, Vitalität und Kreativität. In der Mitte steht ein acht mal acht Meter großes Stahlpodest, die Bühne für den nächsten Teil der Ballett-Produktion des Staatstheaters Augsburg. Musik dröhnt aus den Lautsprechern, Dampf steigt aus Dunsterzeugern und Nebelmaschine, gelbes Licht fällt auf die Tänzerinnen und Tänzer, die sich drumherum postieren. In der Mitte steht auf einer Stahlkonstruktion der ungewöhnliche Hauptakteur für die Virtual-Reality-Produktion «kinesphere» des Staatstheaters Augsburg: knallorange, kein Körper, nur ein kompakter Knickarm – das ist Kuka KR Iontec, ein Industrieroboter. Ohne Geist, ohne Seele, nimmermüde. Er wiegt 533 Kilogramm, zusammen mit seinem Podest, mit dem er verschraubt ist, über eine Tonne. Er wird beispielsweise in der Automobilbranche eingesetzt. Ob am Boden, an der Wand oder in Schräglage: Ohne Mühe kann er Fahrzeugchassis oder andere Teile mit bis zu 70 Kilogramm Traglast hochheben und handeln, kleben, trennen, transportieren, schutzgas- und laserschweißen und -schneiden, lackieren, mechanisch bearbeiten, montieren, messen, prüfen, palettieren und am Ende verpacken. Er ist staub- und wasserdicht und sehr genügsam: Der Knickarm-Roboter ist unempfindlich gegen Hitze und Kälte, geschützt vor elektrostatischer Auf- und Entladung, braucht wenig Platz und nur alle 20 000 Betriebsstunden einen Ölwechsel, seine Energiezufuhr erfolgt über eine A1 Hohlwelle mit 119 Millimetern Durchmesser. Und – er kann tatsächlich tanzen!

Den gesamten Beitrag von Eva Maria Fischer lesen Sie in tanz 10/21