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Rezensionen

Foto: Kiran West

John Neumeier: «Ghost Light» in Hamburg

Die ersten Proben fanden einzeln statt, über die Konferenz-App Zoom, mit Tänzern, die sich daheim ein kleines Stück Tanzboden auslegten und so Szenen entwickelten. Daraus entstand «Ghost Light»: eine Folge von Sentenzen, Stimmungen, die ein zum Verstummen gebrachtes Ensemble beschreiben. «Ein Ballett in Corona-Zeiten» lautet der Untertitel, ein für Neumeier untypischer Gegenwartsbezug. Ansonsten geben die Pandemieregeln die Choreografie vor: Tänzer bleiben auf Abstand, nur wer privat zusammenlebt, darf sich berühren. Bei einer Neumeier-Choreografie sind solche Regeln ungewohnt, gilt der Altmeister der Neoklassik doch als begnadeter Arrangeur großer Gruppenszenen, weniger als Solo-Spezialist. Dieses Problem überspielt der Abend weitgehend: Man hätte nicht gedacht, dass so viele Tänzer im Hamburger Ensemble miteinander liiert sind, aber zumindest Pas de deux gibt es einige. Und auch das Corps de ballet kommt zum Zuge. Die Gruppenszenen sind zwar vergleichsweise luftig arrangiert, fügen sich allerdings weitgehend in das sparsame Konzept, das auf herzhaft angeschlagene Schubert-Klavierklänge (am Flügel: Michal Bialk), Alltagskleidung und ein minimalistisches Bühnenbild setzt.

Die gesamte Rezension von Falk Schreiber lesen Sie in tanz 10/2020