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Rezensionen

Pierre Bokma, Konstantin Bühler, Steven Scharf (v. li.), Foto: JU Bochum

Shakespeare «King Lear» in Bochum

Die Inszenierung wurde schon geprobt, als der Shutdown über sie hereinbrach. Nun trägt sie die Zeichen der Corona-Epoche. Aus Beschränkung wird ein ästhetisches Mittel. Das nun allenthalben eingeübte social distancing soll nur eine physische Abstandsregelung sein, keine Verachtung. Auf dem Bochumer Theater wird es umgekehrt: Der körperliche Abstand zwischen den Bühnenfiguren wird zum Zeichen der sozialen Brüche. Kein Schauspieler berührt einen anderen. Das nutzt Anna Drexler als Narr (anstelle von Kent) im Kampf gegen Oswald (Stefan Hunstein) zu einem blitzschnellen Leichtgewichts-Luftschattenboxen, das Reichweite durch Tempo und flinke Beinarbeit ersetzt. Und ihre Niederlage wird nur deutlich, indem sie sich auf den Erdhaufen legt und Oswald mit dem Fuß etwas Erde auf sie schubst. Die Blendung Glosters (Steven Scharf), der brutalste Akt im ganzen gewaltgesättigten Stück, wird zu einer Minimalberührung verkleinert. Oswald kriecht am Boden auf Gloster zu und zupft ihn am Hosenbein, dann wird «alles dunkel»: vorne plötzliche Finsternis und hinten blendend hell.

Die gesamte Rezension von Gerhard Preußer lesen Sie in Theater heute 10/2020