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Kontinuität und Wagnis

Theater des Jahres: Münchner Kammerspiele

Hat München sich verändert in den letzten fünf Jahren, und wenn ja: wie, Matthias Lilienthal? Und wie ist es für Sie, Barbara Mundel, nach einigen Jahren zurückzukommen?
Lilienthal Um für die letzten Jahre Veränderungen feststellen zu können, stecke ich viel zu tief im Tunnel. Aber München tickt anders als jede andere Stadt, die ich kenne. Bei dem Haus für Geflüchtete in der Münchner Innenstadt «Bellevue de Monaco», wo ich mich engagiert habe, konnten wir immer Projekte durchsetzen, indem wir einzelne Spieler von Bayern München dazugeholt haben. Wenn ich mir das am Berliner HAU mit Hertha-Spielern vorstelle ... Koalitionen funktionieren hier vollständig anders. Persönliche Bekanntschaft spielt hier eine riesige Rolle. Und München identifiziert sich mit der Figur des Grantlers.

Das hätten doch Super-Startbedingungen sein können!
Lilienthal Ja, klar. Und es hat auch rund ums «Bellevue de Monaco», total Spaß gemacht, auf der Ebene zu spielen. Trotzdem gibt es ein Insistieren auf bestimmten konservativen Werten auch bei sehr linken Sozialdemokraten oder bei Grünen. Etwa im Sinne von: «Das rosa Wohnzimmer Kammerspiele muss aber auch so bleiben, wie es ist!» Aber der wichtigste Umschlagpunkt fand statt, als die Münchner CSU versucht hat, den Kammerspielen das Demonstrieren zu verbieten. Da hat das Schwabinger Bürgertum gesagt: Der Typ da mag uns auf den Wecker gehen, aber dass die CSU ihm jetzt das Demonstrieren verbietet, so weit kann’s nicht gehen.

Mundel Die Kammerspiele sind sicher durch Kontinuitäten, aber auch von künstlerischen Disruptionen geprägt. Die Münchner Kammerspiele waren immer das Theater des Wagnisses, der Avantgarde.

Das gesamte Gespräch mit dem scheidenden Intendanten Matthias Lilienthal und seiner Nachfolgerin Barbara Mundel finden Sie im Jahrbuch Theater heute