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Liebeserklärung

von Sandra Hüller, Schauspielerin des Jahres 2020

Für mich ist Theater der schönste geschützte, zarte Raum, in dem man sich verbinden kann miteinander. Wo man sich trauen kann, sich tatsächlich zu zeigen, ohne Angst. Da hat es schon viele Vorteile, wenn man sich gut kennt und gemeinsam eine Spielweise entwickelt. Wenn man mit seinen Unterschiedlichkeiten vertraut ist, ohne dass man sich jedes Mal ganz neu orientieren muss. Es kommt natürlich irgendwann der Punkt, den kennt jeder im Theater, wo man bei der Leseprobe schon ganz genau weiß, wie der Kollege oder die Kollegin es machen wird – das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo es mal eine Veränderung geben muss. Aber so wie alle anderen Arbeits- und Beziehungsformen sich ändern, ändert sich auch die des Ensembles. Dass jemand sich ausschließlich und dauerhaft dem Ensemble verschreibt oder umgekehrt jemand das von seinen Leuten verlangt, das gibt’s wahrscheinlich inzwischen kaum noch. Also, ich hätte große Lust, wenn ich nicht mehr umziehen müsste, mehrere Jahre immer denselben Arbeitsweg zu haben und dieselben Leute zu treffen, ich finde das unglaublich beruhigend. Auch die Kreativität kommt dann von einer anderen Stelle. Die Kraft, die man braucht, sich einzugewöhnen, an einen neuen Ort oder andere Gruppe, die kann man direkt in die Arbeit stecken.

Könnten Sie sich vorstellen, selbst ein Theater zu leiten?
Ich kriege sofort Herzrasen, wenn Sie das fragen! Andererseits habe ich mir nichts von dem, was mir im Leben passiert ist, vorher vorstellen können. Abgesehen von der Anmeldung auf der Schauspielschule kam alles immer irgendwie auf mich zu. Insofern: Jetzt ganz sicher nicht, zumal ich ja spielen will. Aber wer weiß, irgendwann vielleicht schon.

Das gesamte Gespräch mit Sandra Hüller von Eva Behrendt finden Sie im Jahrbuch Theater heute