Inhalt

Computer or Composer?

Über Musik und Künstliche Intelligenz

Auch wenn sich die meisten Komponisten heute bewusst gegen eine Nutzung von KI-Systemen entscheiden dürften, werden die Auswirkungen auf die Musikkultur gravierend sein. Die Grenzkosten für eine herkömmliche Komposition werden tendenziell gegen null streben, sprich: Es bedarf kaum noch ökonomischer und zeitlicher Ressourcen, um Musik in einem spezifischen Stil oder Genre zu kreieren, ganz gleich, ob es um Gebrauchsmusik, Populärmusik oder Kunstmusik geht.

Angesichts solcher Entwicklungen erübrigt sich der alte Streit, ob Computer musikalisch kreativ sind, von selbst. Einerseits stellen von Emmy oder AIVA produzierte Kompositionen natürlich kreative Leistungen dar, andererseits wird diese Leistung kulturell entwertet, wenn KI-Systeme sie ebenso gut oder sogar besser als menschliche Komponisten erbringen können. In solchen historischen Momenten versuchen Künstler in der Regel, neue Kreativitätsnischen zu finden, in denen sie nicht mit Maschinen konkurrieren müssen. So wandten sich mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert die Maler vom vorherrschenden Abbild-Realismus ab. Wo aber liegen in der Musikwelt des 21. Jahrhunderts solche Rückzugsorte der Kreativität, wenn das kompositorische Handwerk technisch reproduzierbar wird?

Den gesamten Beitrag von Harry Lehmann finden Sie in Opernwelt 9-10/2020