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Bayreuth goes Barock

Max Emanuel Cencic über sein neues Festival im markgräflichen Theater

In Bayreuth entsteht ein zweites internationales Festival, das geschichtlich gesehen von enormer Wichtigkeit ist für die Stadt – und ihr qua Umwegrentabilität zusätzliche Einnahmen beschert. Bayreuth hat eine unglaublich reiche Musikgeschichte, die sich eben nicht nur auf Richard Wagner beschränkt. Schon zu Zeiten von Markgraf Georg Friedrich gab es an der Stelle des jetzigen Opernhauses ein Redoutenhaus, in dem über 70 Opern gespielt wurden, darunter zwei von Telemann, die extra für Bayreuth bestellt waren. Es gab einen Fundus mit über 1000 Kostümen, die im Alten Schloss aufbewahrt wurden. Es gab Hunderte szenische Elemente für Bühnenbilder. Durch die Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses 1748 kam es zu einer Apotheose der Opera seria, wie man sie weltweit kaum mehr fand. Voltaire kam nach Bayreuth, auch Johann Adolph Hasse, Händels Diva Faustina Bordoni. Man engagierte italienische Starsänger, französische, spanische und deutsche Schauspieler, auch prominente Tänzer.

Wir sehen das heute an der umfangreichen Porträtsammlung im Neuen Schloss. Nicola Porporas «Carlo il Calvo» wurde 300 Jahre lang nicht mehr aufgeführt. Der berühmte Kastrat Andrea Galetti trat in dieser Oper seinerzeit in Rom auf – und in Bayreuth. Hier kreuzten sich viele musikhistorische Wege. Nun besteht die Möglichkeit, dieses Museum wieder zum Leben zu erwecken. Und zwar genau so, wie Markgräfin Wilhelmine es sich seinerzeit gewünscht hatte: Wir wollen an die große Tradition der Opera seria in Bayreuth anknüpfen, auf höchstem Niveau. 

Mir ging es gerade darum, ein Festival für ein spezielles Nischenrepertoire aufzubauen. Es gibt ja Hunderte Festspiele in Europa, von denen müssen wir uns erkennbar abgrenzen. Niemand fährt nach Bayreuth, wenn dort das gezeigt wird, was man in München, Wien oder Mailand erleben kann. Die hohe Nachfrage gibt mir Recht.

Das gesamte Interview mit Max Emanuel Cencic von Markus Thiel finden Sie in Opernwelt 9-10/2020