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Zerstörung und Zuversicht

Choreograph des Jahres: Akram Khan

Mythen bleiben immer sein Thema – indische, griechische, babylonische, neue und alte. Akram Khan zeigt die Erfahrung des Fremdseins, die Zyklen des Lebens, die Unschuld der Natur, er liebt die Erde und die Steine. Oft suchen seine Stücke die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen, er weist den Menschen die spirituellen Werte, irgendeine Art von Ethos oder Glauben statt der nüchternen Gier, alles haben zu wollen. Und egal, wo diese Stücke spielen, auf einem Flughafen oder in der Wüste, in einem alten Epos oder im Ersten Weltkrieg: Meist blitzt ein Humor auf, glimmt irgendeine Art von Zuversicht. 

Die fehlt in «Outwitting the Devil» völlig. Wo sonst verspielte Elemente oder die Vision von Harmonie Hoffnung vermittelten, dass der Mensch sich besinnen könnte, herrscht nun dumpfe Verzweiflung. «Outwitting the Devil» schildert einen apokalyptischen, manchmal kaum auszuhaltenden Sündenfall. Mit Symbolen aller Religionen und Mythologien zeigt der Choreograf, wie die Menschen das Paradies verlieren, in diesem Fall einen Zedernwald aus dem alten Gilgamesch-Epos. Bevölkert ist er, wie uns die Tänzer in den figurenhaften Zeichen des indischen Tanzes zeigen, von Hirschen, Tigern oder Elefanten. Und von Menschen: Beschwörend wie ein Mantra hallt das französische Wort «homme» durch den Abend. Aus Ruhmessucht tötet der Held Gilgamesch den Hüter des Waldes und zerstört die Natur, Akram Khan zeigt die Geschichte als schmerzhaften Rückblick des alten, gebrechlichen Mannes.

Den gesamten Beitrag von Angela Reinhardt finden Sie im Jahrbuch tanz