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Details machen den Unterschied

Der neue Direktor des Bayerischen Staatsballetts, Laurent Hilaire

Dass sein Arbeitszimmer eines Tages aufs Münchner Hofbräuhaus hinausblickt, das hätte er in seiner langen Étoile-Karriere in Paris nicht gedacht. Getanzt hat er im Nationaltheater nie. Aber so leicht und elegant, wie Hilaire als Tänzer war, so unkompliziert kommuniziert er, und auch als Direktor scheint er so zu arbeiten; das Münchner Ensemble, so hört man, ist begeistert, was nach dem stets düster blickenden, herrischen Vorgänger Igor Zelensky kaum überrascht. Hilaire kommt aus den beiden Ländern mit der größten Balletttradition in ein Land ohne eine nennenswerte solche, und in eine Kompanie, die nicht aus einer einheitlichen, nationalen Schule stammt wie die Franzosen und die Russen. Sieht man heute in Zeiten der Globalisierung noch die subtilen Differenzen zwischen den nationalen Schulen und der Multikulti-Truppe, der er nun vorsteht? «Es gibt einen Unterschied zwischen der russischen und der französischen Schule», sagt Laurent Hilare: «Er liegt darin, wie man die Bewegung denkt. Aber ich glaube, dass jede Schule Qualitäten hat. Hier in München habe ich angefangen, mit den Tänzern an Details zu arbeiten. Weil ich neu bin, weil ich von außen komme, habe ich einen anderen Blick auf sie und sehe manchmal ganz anders, was man verbessern könnte. Es geht um die Qualität der Bewegung – man kann in Druckschrift schreiben oder in Kalligraphie. Lesen kann man nachher beides, aber die Kalligraphie sieht viel schöner aus.» Wie aber findet man den speziellen Stil einer Kompanie, wenn fast überall die gleichen Klassiker der Moderne gezeigt werden? «Ich denke, der Unterschied liegt in den Worten und der Persönlichkeit des Direktors. Es gibt zwei Dinge: das Programm, und dann den Geist der Kompanie. Sie alle zu überzeugen vom gleichen Ziel, der gleichen Vision, darin liegt die Arbeit des Direktors. Das ist nicht neu, ich weiß. Es geht nicht nur darum, gut zu sein – dass wir alle zusammen für ein Ziel arbeiten, das muss ihnen wichtig sein. Letzte Woche hatten wir John Neumeiers ‹Sommernachtstraum›, ich war morgens da und sprach über ein paar Details mit ihnen, nach der Aufführung noch einmal – das waren alles nur Details, aber viele kleine Details machen am Ende den Unterschied. Die Tänzer erwarten ein Feedback, die Kommunikation ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit, nicht nur im Büro zu sitzen. Ich bin hier für das Bayerische Staatsballett, nicht für mich. Mit all meinen Fähigkeiten und meinem Ansehen, aber für dieses Theater.»

Das gesamte Porträt von Angela Reinhard lesen Sie in tanz 8-9 2022 zum Artikel