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Rezensionen

Foto: Anna-Maria Löffelberger

Reginaldo Oliveira: «Anna Karenina» in Salzburg

Leo Tolstois «Anna Karenina» ist vielfach für die Tanzbühne adaptiert worden – zuletzt etwa von Christian Spuck und John Neumeier. Der Roman entfaltet anhand des Ehebruchs, mit dem sich die Gattin eines Staatsbeamten aus der honorablen Moskauer Gesellschaft katapultiert, das Sittengemälde einer ganzen Epoche. Was Salzburgs Ballettchef Reginaldo Oliveira gelingt, ist die zeitlose Umsetzung der Vorlage durch Verdichtung der Handlung und Verknappung des Personals. Oliveira konzentriert sich ganz auf den Plot, der die Eheleute Karenin auseinandertreibt – nicht weil Anna das Abenteuer mit Wronski sucht, sondern weil es ihr widerfährt wie ein Blitzschlag, dem zeitverzögert das ohrenbetäubende Donnern folgt. Dieses Gewitter der eigenen Gefühle kann sie nicht überleben. Es reißt sie um und zu guter Letzt vor den Zug, der ihren Körper zermalmt. Das Berückende an dieser Choreografie ist ihre direkte und aussagekräftige Sprache. Oliveira lässt keinen Schritt tanzen, der sinnlos, redundant oder reine Schnörkelei wäre. Die Figuren sprechen mit jeder Bewegung und kehren dabei ihre Befindlichkeiten nach außen – jede für sich.

Die gesamte Rezension von Dorion Weickmann lesen Sie in tanz 8/9 2021

Wieder am 2., 5., 6., 19. Okt.; www.salzburger-landestheater.at