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Rezensionen

Foto: Monika Rittershaus

Molière «Don Juan» in Stuttgart am Schauspielhaus

Molières «Don Juan», 1665 in Paris uraufgeführt, wurde jetzt am Stuttgarter Schauspiel als erste Premiere nach dem Kulturlockdown gezeigt. Man hatte die Produktion in Achim Freyers Hände gelegt. Überraschung: Don Juan wird nicht von einem Menschen aus Fleisch und Blut gespielt, sondern hängt als überlebensgroße Marionette an Fäden und schlenkert und zuckelt stets auf der Stelle – zusammengezimmert aus Holzlatten und Stoffresten, drüber schwebt ein großer Federhut. Gelegentlich klappt die Gliederpuppe in sich zusammen, um dann wieder aufgezogen zu werden. Einmal tritt sie den Konkurrenten weg, einmal schwingt sie ein Leuchtschwert.

Keine Überraschung: Wie viele Schauspielinszenierungen Freyers, die in der Regel nicht länger als 75 Minuten dauern, wurde auch dieses Stück radikal zusammengekürzt. Und auch hier geht der 87-Jährige weniger als textausdeutender Regisseur ans Werk denn als bildender Künstler, der mit kindlich anmutender Freude seine Fantasien und Ideen im Bühnenbild und in den Kostümen aufgehen lässt. Das ergibt ein Bildertheater, das inhaltlich grobkörnig bleibt. Und Freyer pfeift auf jede Psychologie. Stattdessen gibt’s komische Übertreibungen im Stil der Commedia dell’arte – in Kostümen aus Pumphosen und Hütchen, mit irritierenden Details wie ungleichen Schuhpaaren oder großen Ohren.

Die gesamte Rezension von Verena Großkreutz lesen Sie in Theater heute 8/9 2021