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«Ich bau euch alles»

Der Bühnenbildner Jonathan Mertz

Sie haben betont, wie wichtig Ihnen die Mitarbeit des Teams ist. Hat es bei den vier Bühnenbildern von «Dionysos Stadt» viel mitgeredet?
Ich glaube, ganz grundsätzlich, dass das Arbeiten im Theater so großartig sein kann, weil diese Arbeit von ganz verschiedenen Perspektiven lebt. Jeder, der in unseren Produktionen mitarbeitet, kann diese auch mitprägen. Natürlich sind manche Perspektiven dominanter als andere, und das ist von Inszenierung zu Inszenierung unterschiedlich. Während bei «Einfach das Ende der Welt» das Bühnenbild sehr präsent ist, gibt es Inszenierungen wie «Der erste fiese Typ» (Münchner Kammerspiele, 2017) zum Beispiel, wo das Bühnenbild hauptsächlich dazu dient, den Darstellerinnen eine möglichst gute Plattform zu bieten, von der aus sie ihre Geschichte erzählen können. Ich glaube kaum, dass sich irgendein Zuschauer in dieser Inszenierung viele Gedanken über das Bühnenbild macht. Darum geht es auch nicht. – In «Dionysos Stadt» gibt es den zweiten Teil über den Krieg um Troja, in dem ein klarer künstlerischer Entwurf von außen dominiert, mit der Konstruktion aus Platten, die der Videokünstlerin Susanne Steinmassl als dreidimensionale Projektionsfläche dienen, mit der Musik von Matze Pröllochs und Jonas Holle, mit den Kostümen von Lene Schwind. Die Zuschauer werden volle Lotte ästhetisch und musikalisch beschossen, damit dann anschließend die Spielerinnen als Troerinnen in den Trümmern ihrer Stadt stehen können.

In den Scherben der Wandplatten, die wie Troja in Schutt und Asche gelegt werden. Aus welchem Material sind die?
Aus Alabastergips, der ist besonders weiß. Eine Firma hat entsprechende Formen dafür hergestellt und die Platten für jede Vorstellung neu gegossen, in Spezialkästen gestellt und ans Theater geliefert, wo sie dann zum Trocknen lagerten, bis sie ganz vorsichtig ins Gerüst eingesetzt werden. Die Frage war immer, wie viele Platten gehen dabei kaputt? – Im dritten Teil, der «Orestie», um auf die Frage zurückzukommen, liegen zwar noch die Scherben auf der Bühne, aber die Gerüste sind weg, dafür stehen diverse Möbel und Requisiten rum. Für diesen Teil hatte das Team ein Szenario entwickelt mit den wichtigsten Konflikten und Szenen. Dann hat Nils Kahnwald gesagt: «Ich brauch ’ne Badewanne», und Maja Beckmann: «Ich will das in der Küche spielen» – so hätte ich mir das nicht ausgedacht, aber ich fand es richtig, hier zu sagen: «Ich bau euch alles – na, fast alles –, was ihr wollt.»

Das gesamte Gespräch von Eva Behrendt lesen Sie in Theater heute 8/9 2021