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Liebe bringt Erfolg

Der Opernintendant Roland Geyer

Nach außen hin wirken Sie wie der unsichtbare Intendant, ohne Kabale, ohne Skandale, und das in Wien! Innendrin agieren Sie als leidenschaftlicher Macher. Liegt darin das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Es liegt vielleicht in meiner Einstellung. Denn der Erfolg des Theaters an der Wien sind meine Künstler! Ich baue ihnen nur eine Plattform, eine Basis, damit sie sich darauf kreativ austoben und strahlen können. Natürlich nehme ich mir die Arroganz heraus zu sagen, dass ich die Künstlerinnen und Künstler ausgewählt habe. Aber das Haus wirkt durch sie allein: durch Sängerinnen und Sänger wie Marlis Petersen, Nicole Chevalier, Svetlana Aksenova, Piotr Beczała, Christopher Maltman, Günther Groissböck und Florian Boesch, durch Regisseure wie Christof Loy, Robert Carsen, Claus Guth, durch Dirigenten wie Giovanni Antonini, René Jacobs, Ingo Metzmacher und Marc Albrecht oder demnächst auch durch eine Weltklassesängerin wie Nina Stemme, die sich für unsere Neuproduktion der «Jenufa» Zeit nimmt, weil sie in den vergangenen Jahren Aufführungen in unserem Theater erlebt hat und so angetan davon war. Oder der von Keith Warner neu inszenierte «Giulio Cesare» mit drei der weltbesten Countertenöre, Bejun Mehta, Christophe Dumaux und Jake Arditti sowie Ivor Bolton am Pult. Noch zufriedener bin ich damit, dass ich Künstlern wie Peter Konwitschny, Martin Kušej oder Andrea Breth während ihrer Inszenierung ein guter direktorialer Partner war.

Letztere gilt als schwierig im Umgang ...
Das mag sein, aber für solche Menschen habe ich wohl eine gute Hand. Anscheinend gelingt es mir, die schwierigsten Regisseurinnen und Regisseure durch die Art, wie ich sie behandle, begleite, betreue, mit ihnen rede, in Bahnen zu lenken, wo dieses Haus Erfolg haben kann – und wo sie sich vor allem selbst sicher und wohl fühlen.

Was muss ein guter Intendant in erster Linie können: Muss er ein feines Gespür für die Unebenheiten des künstlerischen Prozesses oder ein Gespür für die herausragende Qualität der Künstlerinnen und Künstler haben?
Ich glaube, so pathetisch es klingen mag: Am wichtigsten ist die Liebe zu den Menschen, zu den Künstlerinnen und Künstlern, sowie die Begeisterung und Kraft, schwierige Momente bei einer Produktion mit ihnen gemeinsam lösen zu wollen. Meine Frau hat dazu einmal etwas Bemerkenswertes gesagt: Wenn alles normal läuft, sei ich bloß ein guter Intendant, aber wenn etwas schiefläuft, dann würde ich zur Hochform auflaufen.

Das gesamte Gespräch von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 8/21

(Portraitfoto: Sabine Hauswirth)