Inhalt

Rezensionen August 2020

Hagen: Marguerite Donlon «Prolog – Schwanensee – aufgetaucht»

Ein steriler, auf Corona-Deutsch: «hygieneregelkonformer» Plastikvorhang trennt die Sphären von Prinz und Vogel. Sie sehen sich. Sie sehnen sich. Doch sie werden sich nie spüren. So todesverhütend für die realen Tänzer, so todtragisch für die fiktiven Figuren. Der kontaktsperrende Vorhang ist eine äußerst kreative Pandemie-Lösung von Hagens Ballettdirektorin Marguerite Donlon, um trotzdem, kurz vor Ende der Spielzeit, noch eine Version ihres geplanten «Schwanensee – Aufgetaucht» auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein 50-minütiger «Prolog», der mittels Solo-Auftritten tief in die Seelenabgründe der Figuren leuchtet, die sich als Verwandte heutiger Serien-Psychos entpuppen. Fast alle leiden unter profundem Selbstekel. Beim Blick in den Spiegel krampfen sich ihre Körper vor Scham- und Schuldgefühl zusammen. Der Zauberer Rotbart etwa schwankt zwischen Allmachtsfantasie und Minderwertigkeitskomplex. Wie ein Science-Fiction-Bösewicht steuert er in Donlons Choreografie mit aggressiven Armbewegungen den Körper der Königin von Ferne. Als sie sich seinem Begehren widersetzt, vergewaltigt er sie. Doch die Missetat wird ihn immer wieder heimsuchen.

Die gesamte Rezension von Nicole Strecker lesen Sie in der August/September-Ausgabe von tanz