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Rezensionen August 2020

Dominik Dos-Reis, Marius Huth, Gina Haller (v. li.), Foto: Birgit Hupfeld

Bochum: Elias Canetti «Die Befristeten»

Canettis Versuchsanordnung rund um den Tod funktioniert, trotz ihres hölzernen Lehrstückduktus’, hervorragend als Gedankenanzünder. Aus der Pole-Position als erste Präsenzpremiere nach der Pandemiepause schlägt der Abend eher wenig kreative Funken. Gespielt wird konsequent auf Abstand, im gesamten Bühnenund Zuschauerraum verteilt, bei offenen Saaltüren. Huscht eine Spielerin vorbei, weichen die anderen erschrocken zurück. Zum besseren Verständnis der Hygieneauflagen wird auf der Bühne ironisch mit einen sechs Meter langen rot-weißen Zollstock hantiert – so weit, so erwartbar.

Simons inszeniert das Abstandsgebot als Metapher für einen allgegenwärtigen Mangel an Vertrauen. Nicht einmal Liebende verraten einander bei Canetti, wie alt sie genau sind. Darüber zu sprechen, gilt als unanständig. Entsprechend klar, aber auch sehr eindimensional sind die Spielweisen: Da wäre zunächst die Selbstoptimierungs-Fraktion, bei der es zum Frühstück protestantisches Arbeitsethos gibt. Dann gibt es da noch die gut gelaunten jungen  Systemanhängerinnen, Gina Haller und Anne Rietmeijer. Sie rufen sich über die vereinzelten Köpfe des vereinzelten Publikums so oldschool naiv zu, wie schön das Leben sei, dass einem das Wort «Backfische» durch den maskierten Kopf schießt. Und natürlich gibt es den unfreiwilligen Whistleblower namens 50, gespielt von Stefan Hunstein, und dessen treue beste Freundin Elsie de Brauw. Die beiden sind unverkennbar die Guten, sie sind lieb zueinander, sie fassen sich an den Kopf, so nachdenklich macht sie die Gesamtsituation, und sie erklären ihre systemkritischen Gedankengänge – selbst in der strengen Strichfassung von Angela Obst – ermüdend ausführlich.

Die gesamte Rezension von Cornelia Fiedler lesen Sie in der August/September-Ausgabe von Theater heute