Inhalt

Rezensionen August 2020

Yusif Eyvazov, Foto: Semperoper Dresden/Daniel Koch

Dresden: Verdi «Don Carlo»

So lange der virologische Imperativ gilt, tickt die Opernwelt auch außerhalb der Bühne anders: keine Endlos-Schlangen weitgereister Netrebko-Fans auf dem Theaterplatz, keine flehentlich-verzweifelt nach Karten Suchenden. Lediglich einer überschaubaren Schar von 330 Gästen war es vergönnt, dem Rollendebüt der russisch-österreichischen Sopranistin als Elisabetta live und vor Ort beizuwohnen. Das Corona-Reglement gab für die 90 pausenlosen «Don Carlo»-Minuten einen distanzbetonten Ablauf vor, sowohl im Zuschauerraum – die ersten fünf Parkettreihen hatten freizubleiben, 150 Doppelplätze wurden abstandsvoll im gesamten Saal verteilt – als auch für das Geschehen auf der Vorbühne: Zu den acht Instrumentalisten der Sächsischen Staatskapelle traten eine famose Abordnung von sieben Mitgliedern des Staatsopernchores sowie sieben exzellente Solisten.

Sich nahezukommen, war nur den beiden Star-Protagonisten des Abends gestattet, Anna Netrebko und ihrem Tenor-Gatten. Sie als Elisabetta, Königin von Spanien, er als Don Carlo, der unselig verliebte, rebellierende Infant. Jenes Paar also, dem in Verdis Oper die glückliche Vereinigung zuletzt verwehrt bleibt. Netrebko, in einer schwarzen, silberbestickten Taftrobe die Verkörperung royaler Vornehmheit, belässt es im Duett «Io vengo a domandar» bei gestischer Dezenz, während es Eyvazov augenscheinlich zu großem Schauspiel drängt. Doch sind es die sängerischen Leistungen, die im schütter belegten Saal Begeisterungsstürme entfachen, als jubele ein ausverkauftes Haus.

Die gesamte Rezension von Werner Kopfmüller lesen Sie in der August-Ausgabe von Opernwelt